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Kasimir Altzweig

ARCHITEKTENGESPRÄCH

> Kasimir Altzweig, Störmer Murphy and Partners

// Störmer Murphy and Partners verbinden nachhaltiges Bauen mit technischer Innovation, ästhetischem Anspruch und städtebaulicher Verantwortung. Dabei verfolgen sie konsequent das Ziel, architektonische Sinnhaftigkeit und sinnliche Qualität miteinander zu vereinen. Ein konkretes Beispiel für diese Herangehensweise ist das Holzhochhaus „Roots“: Das 18-geschossige Gebäude wurde in Massivholzbauweise errichtet, insgesamt kamen dabei rund 5.500 Kubikmeter Nadelholz zum Einsatz. Eine zusätzliche, teilweise öffenbare Glasfassade schützt die Loggien vor Wind, Regen und UV-Strahlung und schafft zugleich attraktive, gut nutzbare Außenräume mit hohem Wohnkomfort.

Holzhochhaus mit Weitblick: Das „Roots“ in Hamburg

Im Gespräch mit Kasimir Altzweig von Störmer Murphy and Partners

Mit dem 2024 fertiggestellten 18-geschossigen Holz-Hybridhochhaus „Roots“ in der Hamburger HafenCity haben Störmer Murphy and Partners eines der europaweit ambitioniertesten Holzbauprojekte umgesetzt. Das Gebäude vereint hochwertige Eigentumswohnungen mit rund 30 Prozent öffentlich gefördertem Wohnraum und setzt damit ein deutliches Zeichen für ökologische Verantwortung und soziale Verträglichkeit. Im Gespräch erläutert Büropartner Kasimir Altzweig, wie die Architekten Nachhaltigkeit vom ersten Entwurf bis zur Fertigstellung denken und welche Erkenntnisse aus Roots in künftige Projekte einfließen.

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Unser Team für Architekten und Planer

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// Oliver Sterl von RLP Rüdiger Lainer + Partner Architekten zeigt anhand des Holzhochhauses HoHo Wien, des Biotop Wildquell und der Sanierung in der Siccardsburggasse, wie Städtebau, Holzhybridbauweise und Bestandsumnutzung zusammenspielen. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur technische Lösungen, sondern auch eine integrative Haltung sowie langlebige, nutzungsneutrale Primärstrukturen mit hoher Flexibilität.

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// Das Alte Rathaus Berlin-Marzahn, ein Verwaltungsbau der DDR-Moderne, wird derzeit umfassend saniert. KEBE + SCHOBERTH ARCHITEKTEN verantworten nahezu alle Leistungsphasen – von der Analyse bis zur Umsetzung – und zeigen, wie sich hohe energetische Standards mit den Anforderungen des Denkmalschutzes vereinen lassen. Wir haben mit Architektin Felicitas Schoberth gesprochen, um mehr über das Projekt zu erfahren.

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// In Amsterdam hat das vor Ort ansässige Büro NEXT architects die Lagerhalle einer ehemaligen Kaugummifabrik umfangreich erweitert und zum transparenten Bürogebäude umgenutzt. Das Ergebnis ist eine kontrastreich inszenierte Materialcollage aus Stahl, Glas und Holz, die sich hervorragend in ihr Umfeld einfügt. Zur Abdichtung der Dachflächen kam die EPDM-Bahn RESITRIX® SK W Full Bond von CARLISLE® zum Einsatz, direkt darüber sorgen Retentionselemente und Photovoltaikmodule für eine optimierte Nachhaltigkeit.

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Unser Team für Architekten und Planer

// Erstklassige Produkte alleine reichen heute nicht mehr aus, um Kunden zu begeistern. Christoph Nowack, Leiter des CARLISLE® Projektvertriebs für die DACH-Region, spricht darüber, wie er mit seinem Team einen gewinnbringenden Mehrwert für Architekten und Planer schaffen kann.


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© Störmer Murphy and Partners

BLACKPRINT: Im Masterplan war für den Standort bereits ein Hochhaus vorgesehen...

Kasimir Altzweig: Ja genau. Und da stellte sich dann die Frage: Traut ihr euch, gemeinsam mit den Architekten, die euch im Wettbewerb überzeugt haben, ein Hochhaus in Holz-Hybrid-Bauweise umzusetzen? Und der Bauherr hatte letztlich den Mut dazu! Die Geschichte zeigt, wie wichtig es ist, seinem idealistischen Antrieb zu folgen. Selbst wenn man Gefahr läuft zu scheitern. Denn wer sich wirklich für etwas Sinnvolles engagiert, der bekommt oft im zweiten Anlauf seine Chance!

© Störmer Murphy and Partners
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Das von Störmer Murphy and Partners geplante Wohngebäude Roots in der Hamburger Hafencity ist mit seinen 18 Geschossen das bundesweit höchste Holzhochhaus.

BLACKPRINT: Gleichzeitig muss man berücksichtigen, dass das Roots kein Forschungsprojekt war, sondern auf dem freien Markt bestehen muss...

Mit seiner eleganten Gebäudefigur fügt sich der Neubau harmonisch in die umliegende Bebauung ein.

BLACKPRINT: Was waren die größten Herausforderungen im Hinblick auf Schall- und Brandschutz?

BLACKPRINT: Im Innenraum ist die Wirkung der Holzkonstruktion eher dezent, von außen hebt sich das Gebäude dagegen deutlich von seiner Umgebung ab. Welche Rolle spielt dabei die vorgesetzte Glasfassade beim Hochhausteil?

© Störmer Murphy and Partners
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Für den Bau des Turms wurden mehr als 200 vorgefertigte Holzmodule in den Obergeschossen verbaut.

BLACKPRINT: Das Projekt Roots kombiniert frei finanzierte und 30 Prozent öffentlich geförderte Wohnungen. Wie wichtig ist Ihnen, dass Nachhaltigkeit im Städtebau sozial verträglich umgesetzt wird?

BLACKPRINT: Welche Lehren ziehen Sie für zukünftige Projekte aus dem Projekt?

BLACKPRINT: Als Holzhybridbau umgesetzt wird auch das Bürogebäude „Gascade“ in Kassel. Worin liegt dort die besondere Herausforderung?

Die Module der Solarfassade des Gascade-Firmensitzes sind wie Schuppen angeordnet, die sich zur Sonne drehen.

Den passenden Systemaufbau finden?

Unser System Guide führt Sie strukturiert zum passenden Systemaufbau für Ihre Flachdach- und Bauwerksabdichtung.

Prägend für das Bürogebäude Behrensufer Berlin ist die horizontale Schichtung durch auskragende Deckenplatten.

BLACKPRINT: Ein weiteres herausragendes Projekt Ihres Büros ist das Hotel The Fontenay in Hamburg...

Das Hotel The Fontenay Hamburg besticht durch seine organisch abgerundete Gebäudeform.

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Unser Team unterstützt Sie gerne und unverbindlich.

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BLACKPRINT: Herr Altzweig, mit dem Hamburger Holzhochhaus Roots haben Sie 2024 ein europaweit beachtetes Leuchtturmprojekt für das nachhaltige Bauen umgesetzt. Wie ist das Projekt zustande gekommen?

Kasimir Altzweig: Da muss ich ein wenig ausholen. Einige Jahre zuvor waren wir bereits für denselben Bauherrn bei einem anderen Wettbewerb in unmittelbarer Nähe dieses Grundstücks aktiv. Damals spielte das Thema Holz-Hybrid noch überhaupt keine Rolle, das fing damals gerade erst an. Der Antrieb dazu kam vor allem aus der jüngeren Generation im Büro, die mutig in diese Richtung gedacht hat. Daraufhin haben wir den Schritt gewagt, eine ziemlich radikale Holz-Hybrid-Konstruktion im großen Maßstab für den Standort vorzuschlagen. Den Wettbewerb haben wir damit zwar nicht gewonnen, aber unser Vorschlag hat in der Jury eine intensive Diskussion zwischen politischen Vertretern und allen Beteiligten ausgelöst. Und letztlich hat das dazu geführt, dass die Stadt Hamburg und der Bauherr ein anderes Grundstück gefunden haben, das über ein Innovationsverfahren vergeben werden konnte.

BLACKPRINT: Das Ergebnis ist ein echter Game Changer. Bis dato war in Deutschland bei acht Geschossen Schluss. Wie war dieser Quantensprung möglich?

Kasimir Altzweig: Man muss wirklich sagen, das war ein mutiger Schritt des Bauherrn. Ein einfaches „Nein“ eines Sachbearbeiters auf Behördenebene hätte das Projekt sofort stoppen können. Entscheidend war deshalb, dass alle Beteiligten von Beginn an wohlwollend an das Projekt herangegangen sind. Und dabei geht es nicht darum, Vorschriften zu umgehen. Denn Schutzziele wie Sicherheit sind nachvollziehbar und unverhandelbar, schließlich wollen wir ja alle sicher wohnen. Aber wenn alle bereit sind, alternative Wege zu prüfen, um dasselbe Ziel zu erreichen, dann ist ein Holzhochhaus in dieser Größenordnung möglich.

Kasimir Altzweig: Ja, das Projekt muss wirtschaftlich funktionieren, mit hochwertigen Eigentumswohnungen und einem Drittel öffentlich gefördertem Wohnraum. Hinzu kamen erschwerte Standortbedingungen der HafenCity-Lage mit Ebbe und Flut, Hochwasser im Sockelbereich und dem komplizierten Lärmschutz aufgrund der nahe gelegenen Bahntrasse. All diese Faktoren machten die Umsetzung komplex. Aber genau das macht das Projekt heute besonders wertvoll und richtungsweisend.

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Kasimir Altzweig: Ursprünglich war nach dem Masterplan an dieser Stelle ein Hotel vorgesehen, für das andere Belüftungs- und Schallstandards gelten. Für dauerhaftes Wohnen gelten deutlich höhere Anforderungen. Das Problem dabei: Holz bringt besondere akustische Eigenschaften mit, die zum Beispiel im Instrumentenbau geschätzt werden. In unserem Fall mussten wir die Decken- und Wandaufbauten sehr genau abstimmen, um stattdessen die gewünschte Schallreduktion zu erreichen. Was den Brandschutz betrifft, da wurde teilweise überkompensiert, um Holz als tragendes Material überhaupt einsetzen zu können. Das Gebäude verfügt zum Beispiel über eine Sprinkleranlage, um so auf Nummer sicher zu gehen.

Kasimir Altzweig: Die zweite Haut war von Beginn an Teil des Konzepts und nahezu zwingend: Sie schützt das Holz vor Witterung und UV-Strahlung, schafft geschützte Außenräume und sorgt für Lärmschutz. Hamburg und der Norden generell sind windig; ab dem vierten Geschoss wären Balkone sonst kaum nutzbar. Das Glas ist öffenbar, ermöglicht nutzbare Wintergärten, bietet eine zusätzliche Sicherheitsebene im Brandschutz und verlangsamt die Farbveränderung des Holzes. Für die Bewohner bringt die Fassade einen klaren Mehrwert: Sie schafft eine umlaufende Fläche, auf der man einen Tisch aufstellen oder einfach die Aussicht genießen kann.

Kasimir Altzweig: Beim Roots lag die Strategie in der Kombination des Hochhausturms mit flacheren  Baukörpern. Im Ergebnis finanzieren die Eigentumswohnungen im Hochhaus die geförderten Wohnungen darunter. So wird bezahlbares Wohnen möglich, ohne Kompromisse bei Qualität oder Nachhaltigkeit. Gleichzeitig haben wir alternative Modelle entwickelt, etwa niedrigpreisiges Azubi-Wohnen, und das in enger Abstimmung mit Industriepartnern und Holzbauern – noch bevor der erste ernsthafte Entwurf entsteht. Uns interessiert generell, wo die Stellschrauben liegen und wie sich bezahlbares Wohnen realistisch umsetzen lässt, ohne Baukultur oder Nachhaltigkeit zu opfern.

Kasimir Altzweig: Die Erfahrungen beim Roots helfen uns enorm, gerade im Umgang mit Regelwerken, die sich ständig ändern, meist zum Positiven. Bei all dem prüfen wir aber kritisch, ob Holz wirklich sinnvoll ist. Bei Hochhauswettbewerben differenzieren wir mittlerweile oft: Der Hochhausteil kann eine andere Konstruktion erhalten, während niedrigere Bauteile konsequent in Holz ausgeführt werden. Manchmal kann aber auch ein CO₂-optimierter Massivbau die bessere Wahl sein, etwa wenn er langfristig mehr Flexibilität und Umbaufähigkeit bietet.

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© Störmer Murphy and Partners

Kasimir Altzweig: Das Projekt ist als Wettbewerb für einen Gas-Pipeline-Betreiber entstanden. Und das in einer politisch sensiblen Phase. Denn das Unternehmen war damals zu 49 % in russischer Hand, heute ist es staatlich und ein spannender Partner im Bereich Wasserstoffinfrastruktur. Ganz zentral war dabei die Übersetzung des Unternehmensinhalts in ein architektonisches Statement. Wir haben das Thema Energie über eine „Energiefassade“ interpretiert und eine fast vollflächige Solarfassade geschaffen, deren Module wie Schuppen angeordnet sind und sich zur Sonne drehen. Fertiggestellt wird die plastische Wirkung der Fassade deutlich sichtbar sein.

BLACKPRINT: Wie wird der Bau konstruktiv umgesetzt?

Kasimir Altzweig: Das Gebäude ist als Hybridbau konzipiert. Sämtliche Holzstützen, Holzbalken und Decken werden dabei durch eine minimal ausgeführte Betonüberdeckung ergänzt, die den Brandschutz zwischen den Geschossen übernimmt. Die serielle Bauweise mit standardisierten, vorgefertigten Bauteilen ermöglicht dabei eine flexible Abstimmung, optimierte Fertigstellung und Termintreue. Die Rhythmisierung der Holzbalken minimiert dabei den Betonanteil, reduziert den CO₂-Fußabdruck spürbar und ermöglicht zugleich, standardisierte und individuell gestaltbare Bereiche intelligent zu kombinieren. Ganz wichtig sind dabei das Atrium und die offene Treppenanlage im Zentrum des Gebäudes, die Freiräume für Kommunikation schaffen. Das Projekt ist damit ein Beispiel, wie effizienter, CO₂-optimierter und ortsspezifisch attraktiver Holz-Hybridbau funktionieren kann, ohne dass daraus ein „Plattenbau 3.0“ entsteht.

BLACKPRINT: Woher kommt der Antrieb, sich stärker mit dem Thema Nachhaltigkeit zu beschäftigen? Und welche Werkzeuge nutzen Sie, um CO₂-Aspekte frühzeitig in den Entwurf zu integrieren?

Kasimir Altzweig: Der Antrieb, sich intensiv mit Nachhaltigkeit zu beschäftigen, kommt stark aus dem Büro selbst, besonders aus der jüngeren Generation. Seit Jahren gibt es bei uns eine eigene Nachhaltigkeitsgruppe, geleitet von unserer Associate-Partnerin Uta Meins, die interne Veranstaltungen organisiert und das Thema mit großem Engagement vorantreibt. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch unser Tool ECO₂, das wir gemeinsam mit Partnern entwickelt haben.

BLACKPRINT: Was leistet das Tool?

Kasimir Altzweig: Wir arbeiten bereits seit langem digital im 3D-Modell, und der nächste Schritt war, unterschiedliche Themen miteinander zu verknüpfen. Mit BIM lassen sich Informationen bereits im frühen Entwurfsstadium so aufbereiten, dass Varianten hinsichtlich ihrer CO₂-Auswirkungen vergleichbar werden. Und genau das ermöglicht uns das Tool ECO₂: Wir können damit schon in den ersten Entwürfen abschätzen, welche Variante welche Konsequenzen hat. Beim Roots konnten wir damit Materialeinsatz und Konstruktion frühzeitig optimieren, um die CO₂-Bilanz deutlich zu reduzieren, ohne Nutzerfreiheit oder architektonische Qualität einzuschränken. Beim Gascade hat ECO₂ dabei geholfen, die serielle Hybridbauweise mit minimalem Betoneinsatz gezielt zu steuern und gleichzeitig die Vorteile des Holz-Hybrid-Systems voll auszuspielen, etwa bei der Rhythmisierung von Deckenbalken und Betonüberdeckung.

BLACKPRINT: Neben dem Gascade sind Sie aktuell auch mit einem Bürogebäude am Behrensufer in Berlin beschäftigt. Was genau planen Sie dort?

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© Störmer Murphy and Partners

Kasimir Altzweig: Der Neubau am Behrensufer ist ein großmaßstäbliches Transformationsprojekt auf dem ehemaligen AEG-Areal, wo vor über 100 Jahren schon Elektrofahrzeuge produziert wurden. Das Projekt grenzt an ein denkmalgeschütztes ehemaliges Produktions- und Bürogebäude an und ist als kreislauffähiger Holz-Skelettbau mit aussteifendem Stahlbetonkern, mit großflächiger Glasfassade und mit Gräserlandschaft auf den Balkonen konzipiert. Die weitere Entwicklung ist derzeit noch offen. Besonders spannend war für uns hier das Partnering-Modell, also der enge und frühzeitige Dialog mit dem Bauunternehmen, hier der Züblin Group inklusive ihrer Holzbau-Tochter. Der Holzbauer saß von Beginn an mit am Tisch. Gemeinsam haben wir ausgelotet: Was kannst du besonders gut bauen? Wie funktioniert deine Produktionskette? Wie lässt sich das mit unserer architektonischen Struktur verbinden? Überhaupt lässt sich sagen, das wir grundsätzlich gern eng mit der Industrie zusammenarbeiten. Bei all dem bleiben wir aber natürlich kritisch, damit die Baukultur nicht auf der Strecke bleibt.

Kasimir Altzweig: Wir hatten dort die Aufgabe, die parkartige Aufweitung an der Alster am ehemaligen Interconti-Standort architektonisch zu beantworten. Das Gebäude ist radial organisiert, die Zimmer sind gebogen, alles in Bewegung, ohne Sackgassen und mit fließender Bewegung durch Atrium und Patio. Ökologische Nachhaltigkeit stand bei dem Projekt nicht im Vordergrund. Entscheidend war eher der soziokulturelle Wert: Die Architektur schafft hochwertige, langlebige Räume, die von der Öffentlichkeit stark angenommen werden. Das Projekt zeigt, dass hochwertige Architektur selbst ein Beitrag zur nachhaltigen Stadtentwicklung sein kann, wenn sie durch Dauerhaftigkeit, Erlebbarkeit und Gestaltqualität geprägt ist.

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BLACKPRINT: Angesichts der urbanen Verdichtung sowie der Klima- und Ressourcenherausforderungen: Welche Rolle sollten Architektur und Planung in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren für eine echte nachhaltige Transformation spielen?

Kasimir Altzweig: Verantwortung ist heute wichtiger denn je, nicht in Form maximaler Forderungen wie CO₂-Reduktion um jeden Preis, sondern gezielt an den Innovationshebeln: Wo lässt sich enger mit der Industrie zusammenarbeiten? Welche Gebäudestrukturen ermöglichen kostengünstiges Bauen, ohne ökologische Standards aufzugeben? Vorschnelle Maßnahmen für kurzfristige Effekte bringen uns nicht weiter. Architektur muss Bauherren und Industrie besser verstehen, Optimierungen schaffen, bezahlbaren Wohnraum ermöglichen und zugleich ökologisch sinnvoll bleiben. Nachhaltigkeit umfasst mehr als CO₂: Auch soziokulturelle Aspekte und die Gestaltqualität zählen. Ein Gebäude, das nach wenigen Jahren abgerissen wird, ist alles andere als nachhaltig. Gute Architektur selbst ist ein Beitrag zur Nachhaltigkeit. Das bedeutet aber auch, dass radikale Ideen nicht immer sofort umgesetzt werden können. Entscheidend sind eher die vielen kleinen Schritte, die dann in der Summe mehr Nachhaltigkeit ermöglichen.

BLACKPRINT: Herr Altzweig, wir bedanken uns für das Gespräch!

Das Interview führte Robert Uhde.

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