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Brandschutz im Flachdach nach DIN 18234: Was Planer und Verarbeiter wissen müssen

Großflächiges Industriedach mit Anforderungen für Brandschutz im Flachdach nach DIN 18234

Große Flachdächer im Industriebau müssen nicht nur gegen Feuer von außen, sondern auch von innen geschützt sein. Die DIN 18234 regelt den baulichen Brandschutz großflächiger Dächer und bewertet dabei konkret die Brandbeanspruchung von unten. Hier finden Architekten, Planer und Verarbeiter alle wichtigen Informationen, um die Anforderungen zu erfüllen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Für großflächige Dächer mit Dachflächen über 2.500 m² ergeben sich in Ergänzung zur harten Bedachung eine Reihe zusätzlicher Anforderungen: Die DIN 18234 legt klare Anforderungen fest, um die Brandausbreitung derartiger Flachdächer zu behindern.

  • Werden brennbare Dampfsperren eingesetzt, so müssen sie mindestens normal entflammbar sein (Baustoffklasse E) und ihr Brennwert darf einen Wert von 11.600 kJ/m² nicht übersteigen.

  • Als Wärmedämmschicht kommen vorzugsweise nicht brennbare Stoffe und solche ohne brennendes Abtropfen in Frage. Polystyrol-Hartschaum darf nur eingesetzt werden, wenn es oberhalb der oben genannten Typen angeordnet wird.

  • Nach DIN 18234-2 sind Dachabdichtungsmaterialien geeignet, wenn für den Gesamtdachaufbau der Nachweis der harten Bedachung vorliegt.

 Großflächiges Flachdach einer Industriehalle gemäß eines geprüften Dachaufbaus nach DIN 18234

Brandschutz im Flachdach nach DIN 18234: Anforderungen für großflächige Dächer

Bekanntlich müssen alle Dachkonstruktionen die Brandschutzanforderungen für eine harte Bedachung erfüllen. Sie beziehen sich auf die Brandbeanspruchung von außen. 

Darüber hinaus gelten brandschutztechnische Regelungen für großflächige Dächer über 2.500 m² mit einer maximalen Dachneigung von 20°, vornehmlich im Industriebau. 

Innerhalb der Industriebaurichtlinie bzw. DIN 18234 wird hierbei die Brandbeanspruchung von unten bewertet. 

Das Schutzziel besteht in der Behinderung der Brandweiterleitung innerhalb des Daches bzw. eines Brandabschnittes. Architekten, Planer und Verarbeiter finden in diesem Regelwerk alle wichtigen Informationen, um die spezifischen Brandschutzanforderungen zu erfüllen.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen

Die Grundlage für den baulichen Brandschutz bildet die Landesbauordnung, die auf technische Baubestimmungen verweist. Eine zentrale Regelung für Industriebauten ist die Industriebaurichtlinie (Muster-Richtlinie über den baulichen Brandschutz im Industriebau) die spezifische Vorgaben macht, etwa zur Größe von Brandabschnitten, Brandverhalten der Baustoffe oder die Feuerwiderstandsfähigkeit der Bauteile.

Anforderungen an Dachkonstruktionen

Für Dachflächen ab 2.500 m² schreibt die Industriebaurichtlinie vor, dass eine Brandausbreitung über das Dach verhindert wird. Dies gilt als erfüllt, wenn:

  • die Dachkonstruktion den Anforderungen der DIN 18234 entspricht,

  • die tragende Dachschale aus mineralischen Baustoffen (z. B. Stahl- und Porenbeton) besteht,

  • Bedachungen aus geschlossenen Stahltrapezprofilen mit einer Mindestblechdicke tN = 0,75 mm bestehen, die bereits aufgeführten Zusatzanforderungen an die Dampfsperre, die Wärmedämmschicht und die Ausbildung von Durchdringungen erfüllt werden sowie für den Gesamtaufbau der Nachweis der harten Bedachung vorliegt.

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Deutsches Institut für Normung in Berlin

Die DIN 18234 - Baulicher Brandschutz großflächiger Dächer

Was regelt die DIN 18234?

Die DIN 18234 regelt den baulichen Brandschutz großflächiger Dächer. Die DIN 18234 ist eine Norm, die sich speziell mit dem baulichen Brandschutz für Dächer mit einer Fläche von mehr als 2.500 m² beschäftigt. Sie hat das Ziel, das Risiko eines Flächenbrandes auf großflächigen Dächern, wie sie bei Industrie- und Gewerbebauten vorkommen, zu minimieren.

Diese Norm wurde vom Arbeitsausschuss NA 005-52-34 AA "Baulicher Brandschutz großflächiger Dächer" im DIN-Normenausschuss Bauwesen (NABau) erarbeitet.

Besonders relevant ist die Norm für Flachdachkonstruktionen, da sie spezifische Anforderungen an die Konstruktion und an Durchdringungen wie Lichtkuppeln und Lichtbänder stellt. Häufig wird sie in Verbindung mit der Industriebaurichtlinie angewendet, um die Sicherheit von Industriebauten zu gewährleisten.

Expertentipp: Auch für Dachflächen, die kleiner als 2.500 m² sind, empfehlen wir die Einhaltung der DIN 18234, um ein höheres Sicherheitsniveau zu erreichen und für zukünftige Erweiterungen vorbereitet zu sein.

Die DIN 18234 im Fokus: Die Norm umfasst vier Teile

1. Anforderungen und Prüfverfahren für Dachaufbauten


Dieser Abschnitt beschreibt, wie Dachaufbauten getestet werden, um ihre Sicherheit im Brandfall zu gewährleisten. Dabei wird geprüft, wie gut die verwendeten Materialien und Konstruktionen Feuer standhalten und ob sie die Anforderungen der DIN 18234 erfüllen. Ziel ist es, sicherzustellen, dass Dächer auch bei einer Brandbelastung von unten sicher bleiben.

2. Zulässige Dachaufbauten

Im zweiten Teil der Norm werden Dachkonstruktionen aufgeführt, die die Anforderungen der DIN 18234-1 erfüllen. Diese Konstruktionen wurden getestet und als geeignet nachgewiesen. Damit stellt die Norm sicher, dass nur geprüfte und sichere Dachaufbauten verwendet werden, die im Brandfall zuverlässig schützen.

3. Anforderungen und Prüfverfahren für Durchdringungen und Anschlüsse


Teil 3 der Norm beschreibt, wie kritische Stellen wie Durchdringungen, Anschlüsse und Abschlüsse von Dachflächen gestaltet und geprüft werden müssen, um den Brandschutz sicherzustellen.
Zum Beispiel müssen Wärmedämmungen rund um Durchdringungen mindestens 50 cm breit und 40 mm dick sein. Dabei können verschiedene Dämmstoffe verwendet werden.

4. Zulässige Durchdringungen und Anschlüsse

Teil 4 der Norm enthält eine Übersicht über Durchdringungen, Anschlüsse und Abschlüsse von Dachflächen, die die Anforderungen der DIN 18234-3 erfüllen.
Dabei werden die Durchdringungen in drei Kategorien eingeteilt:
– kleine (z. B. Gullys oder Lüfter)
– mittlere (z. B. Lichtkuppeln)
– große Durchdringungen (z. B. Lichtbänder)

Für jede dieser Kategorien definiert die Norm konkrete Vorgaben, wie sie konstruktiv gestaltet werden müssen, um eine Weiterleitung von Bränden effektiv zu verhindern.

Planer prüft die Anforderungen der Landesbauordnung an harte Bedachungen

So erfüllen Dachaufbauten die Brandschutzvorgaben der DIN 18234

Abdichtung 

Abdichtungsbahnen, wie EPDM-Bahnen, die den Anforderungen der Norm entsprechen, sind Teil der zulässigen Dachaufbauten laut Teil 2 der Norm. Hersteller geben in Produktdatenblättern und Prüfzeugnissen an, ob ihre Bahnen die Kriterien für eine harte Bedachung erfüllen. 

Wichtig ist, dass die Auswahl der Abdichtungsbahnen im Zusammenhang mit dem gesamten Dachaufbau erfolgt, da die Norm immer die Gesamtwirkung der Konstruktion bewertet.

Mehr erfahren Sie im Ratgeber: Harte Bedachung für Flachdächer: So erfüllen Sie alle Brandschutzvorgaben

Dampfsperren

Die DIN 18234 legt klare Anforderungen an Dampfsperren für großflächige Dächer fest, insbesondere bei Brandbeanspruchung von unten. Brennbare Dampfsperren müssen mindestens normalentflammbar sein, was der Baustoffklasse B2 nach DIN 4102-1 entspricht. 

Zudem darf ihr Brennwert maximal 11.600 kJ/m²  betragen, um die Brandlast so gering wie möglich zu halten. Häufig werden hierfür brandlastarme Materialien wie Aluminiumverbundfolien eingesetzt. 

Tipp: Diese Anforderungen erfüllen die Dampfsperren ALUTRIX® FR - Die Brandlastreduzierte und ALUTRIX® FR B1 - Brandlastreduziert mit Baustoffklasse B1  von CARLISLE®.

Dachdurchdringungen

Die DIN 18234 teilt Durchdringungen in drei Größen ein: Kleine Durchdringungen wie Gullys oder kleine Lüfter, mittlere Durchdringungen wie Lichtkuppeln und große Durchdringungen wie Lichtbänder.

Für jede Größe gibt es spezifische Vorgaben, die sicherstellen, dass der Brandschutz unabhängig von der Durchdringungsart gewährleistet ist.

Sickenfüller 

Bei profilierten Dachmaterialien wie Trapezblech müssen die offenen Hohlräume an Durchdringungen mit nicht brennbaren Sickenfüllern verschlossen werden. Sie verhindern, dass Feuer oder Rauch durch diese Hohlräume eindringen und sich ausbreiten können. 

Kiesstreifen und weitere Schutzmaßnahmen

Einige Dachaufbauten erfordern nach DIN 18234 die Verlegung eines Kiesstreifens um Durchdringungen herum, um das Entzünden der Dachhaut von oben zu verhindern.

Alternativ können prüfbare Konstruktionen eingesetzt werden, die die Anforderungen der BROOF (t3)-Klassifizierung nach DIN EN 13501-5 erfüllen.

Hilfreich für die Planung: Integration in BIM

Die digitale Planung mit BIM (Building Information Modeling) bietet große Vorteile bei der Integration von Brandschutzmaßnahmen:

  1. Frühzeitige Planung: Mit BIM-Software können Brandschutzkonzepte bereits in der Planungsphase simuliert und optimiert werden. So lassen sich potenzielle Schwachstellen frühzeitig erkennen und beheben.

  2. Koordination zwischen Experten: BIM erleichtert die Zusammenarbeit zwischen Brandschutzexperten, Architekten und Verarbeitern. Alle relevanten Informationen sind zentral zugänglich und können in Echtzeit aktualisiert werden.

  3. Visualisierung: Die dreidimensionale Darstellung von Brandschutzmaßnahmen hilft dabei, komplexe Konstruktionen zu veranschaulichen und die Einhaltung der Normen sicherzustellen.

  4. Effizienz: Durch die digitale Integration können Planungsprozesse beschleunigt und Kosten gesenkt werden, da weniger Fehler auftreten und Anpassungen schneller umgesetzt werden können.

BIM ist somit ein wertvolles Werkzeug, um die Anforderungen der DIN 18234 effizient umzusetzen und gleichzeitig die Qualität der Planung zu verbessern.

Gut zu wissen: Wir bei CARLISLE® stellen Ihnen BIM-Daten für unsere Produkte zur Verfügung. Damit können Sie die Anforderungen der DIN 18234 bereits in der Planungsphase effizient berücksichtigen

Visualisierung von BIM (Building Information Modeling) mit einem Tablet, daneben ein topografischer Plan mit Gebäudestrukturen
Planer am Schreibtisch mit Bauzeichnungen - exemplarisch für die Brandschutzplanung nach DIN 18234

Wichtige Praxistipps für die Umsetzung

  1. Planung mit Experten: Die Brandschutzplanung sollte von spezialisierten Ingenieuren durchgeführt werden, die alle relevanten Vorschriften und Anforderungen kennen.

  2. Einsatz prüfbarer Systeme: Produkte und Materialien sollten nachweislich den Anforderungen der DIN 18234 entsprechen.

  3. Regelmäßige Abstimmung: Architekten, Verarbeiter und Feuerwehr sollten frühzeitig in die Planung einbezogen werden, um ein durchgängiges Konzept zu gewährleisten.

  4. Berücksichtigung von Erweiterungen: Auch bei kleineren Flächen sollte eine spätere Erweiterung des Daches berücksichtigt werden, um den Brandschutz auf lange Sicht sicherzustellen.

Gut beraten bei Brandschutzfragen

Brandschutz im Flachdach erfordert oft individuelle Lösungen. CARLISLE® unterstützt Sie sowohl während der Planungsphase als auch bei der Bauausführung mit fachkundiger Beratung.

Beratung durch eine Radonfachperson