Mit alten Baustoffen Zukunft bauen: Der Stampflehmbau Schulpavillon Falkensee
Die Renaissance natürlicher Baumaterialien
In den letzten zehn Jahren hat sich der Holzbau rapide entwickelt und ist nunmehr ein fester Bestandteil im privaten, öffentlichen und gewerblichen Sektor. Diese Entwicklung hat auch andere natürliche Baumaterialien, wie Stroh, Kork und insbesondere Lehm, wieder ins Rampenlicht gerückt. Dank ihrer vorbildlichen Ökobilanzen und der Möglichkeit, sie am Ende der Nutzungsdauer in den natürlichen Kreislauf zurückzuführen, erfreuen sich diese Materialien zunehmender Beliebtheit. Sie passen perfekt zur Cradle-to-Cradle-Philosophie, die einen nahtlosen, zirkulären Wirtschaftsansatz fordert – ein Umdenken, das im Bauwesen zur dringenden Notwendigkeit wird.
Der Schulpavillon Falkensee: Ein Beispiel für nachhaltiges Bauen
Der Schulpavillon in Falkensee stellt ein Paradebeispiel für Nachhaltigkeit dar. Auf dem Gelände des musisch-künstlerisch orientierten Vicco-von-Bülow-Gymnasiums entstand ein multifunktionaler Raum für die Präsentation von Schülerkunstwerken, der auch als Treffpunkt und Klassenzimmer dient. Die Schülerinnen und Schüler wurden in einem partizipativen Prozess in das Projekt eingebunden. Sie erarbeiteten eigene Entwurfsideen, die im weiteren Verlauf in die Entwurfsplanung im Rahmen eines Bachelorprojektes von Marlene Braun und Olin Petzold, betreut von Marc Benjamin Drewes am Institut für Architektur der TU Berlin, einflossen. Das Projekt verfolgte das Ziel, den Teilnehmenden den nachhaltigen Umgang mit traditionellen Baustoffen wie Lehm und Holz nahezubringen.
Bautechnisches Konzept
Für den Bau des Pavillons wurde hauptsächlich auf Stampflehm gesetzt, ergänzt durch eine hölzerne Dachkonstruktion. Diese Wahl spiegelt nicht nur ästhetische und pädagogische Überlegungen wider, sondern beruht auch auf der ausgezeichneten CO2-Bilanz und Kreislauffähigkeit von Lehm. Die Entscheidung für diese Materialien bringt zudem Vorteile in Bezug auf Wärmedämmung und Wärmespeicherung mit sich.
Infobox Stampflehm
Im Zuge der Bewegung zu nachhaltigem Bauen und mehr Wohngesundheit hat die Baustoffindustrie den uralten Naturwerkstoff Lehm wiederentdeckt. Bereits in der Jungsteinzeit (10.000 bis 3.000 v. Chr.) haben Menschen monolithische Wände aus Stampflehm errichtet. Hierfür wird erdfeuchter Lehm mit Wasser und Stroh oder Kies gemischt und die frische Masse dann schichtweise in eine Mauerschalung gefüllt.
Jede Schicht wird zunächst verdichtet, bevor die nächste in die Schalung eingefüllt wird. Früher stampften die Menschen den Lehm mit nackten Füßen zusammen, daher sein Name. Heute erledigen meist pneumatische oder elektrische Stampfer diese Arbeit. Wenngleich diese Bauweise jahrtausendealt ist, ähnelt sie in vielerlei Hinsicht dem Gießen moderner Stahlbeton-Bauteile.
Nachhaltige Dachabdichtung mit EPDM Planen
Bei der Suche nach einer geeigneten Dachabdichtung fiel die Wahl auf die EPDM-Abdichtung HERTALAN® EASY COVER des Herstellers CARLISLE® CM Europe, der sich mit dem Sponsoring des benötigten Materials an diesem Bauprojekt beteiligte.
Für die windsogsichere Verlegung der EPDM-Plane Fall kam eine neue Dimension der mechanischen Befestigung zur Anwendung. Dabei werden zunächst induktionsfähige Halteteller auf dem Untergrund befestigt. Nach dem anschließenden Auslegen der Plane wird die Dachabdichtung mittels Induktion mit den Haltetellern verschweißt. So entsteht in kurzer Zeit ein nahtloses Dach, ohne dass die Dachabdichtung durchdrungen werden muss. Die genaue Menge und die exakte Position der einzusetzenden Halteteller wurden dabei anhand einer vorherigen Windsogberechnung durch den Planenhersteller und Materialsponsor CARLISLE® ermittelt.
Noch ein entscheidender Vorteil – die Plane lässt sich bei Bedarf auch einfach per umgekehrter Induktion beschädigungsfrei wieder von den Haltetellern lösen. Dieser Vorzug spielt bei einer nachträglichen Gebäudeaufstockung oder einem notwendigen Rückbau eine wichtige Rolle, denn die Plane kann unbedenklich weiterverwendet werden. Haben die Planen das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht, kann das homogene Material nach dem Rückbau sortenrein recycelt werden, indem das EPDM devulkanisiert und der Rohstoff dem Produktionskreislauf wieder zugeführt wird. Für dieses innovative System wurde CARLISLE® CM Europe auch mit dem renommierten niederländischen Nachhaltigkeitspreis „Rethink Awards 2023“ in der Kategorie „Nachwachsende Rohstoffe“ ausgezeichnet. HERTALAN® hat zudem das Cradle to Cradle™ Bronze-Zertifikat mit Silberstreifen vom Cradle to Cradle Products Innovation Institute erhalten.
Nach Abschluss dieser Arbeiten erfolgte die Ausbildung der Dachrandabschlüsse und der Dachentwässerung. Hierfür wurden die überstehenden Planenbereiche umlaufend vollflächig mit einem Kontaktkleber aufgeklebt und damit regelgerecht winddicht befestigt. Zusätzlich wurden noch offene Eckbereiche mit einem systemgerechten Flüssigkunststoff geschlossen. Der Anschluss der Abdichtungsplane an die Flanschbereiche der eingebauten Wasserspeier erfolgte ebenfalls mit Flüssigkunststoff.
Alle Verlegearbeiten wurden von Studierenden der TU Berlin vorgenommen. Die vorausgegangene praktische Schulung durch die Anwendungstechnik von CARLISLE® ermöglichte die fachgerechte Umsetzung aller Verlegerichtlinien, ein Indiz für die einfache und dabei sichere Verlegung.
Mit dem Pavillon ist ein kleines Stück Architektur entstanden, das nicht nur die gestellten funktionalen Anforderungen erfüllt, sondern zugleich durch eine hohe Gestaltqualität versucht, seinen Nutzern eine inspirierende Umgebung für den Alltag zu bringen. Bei der Materialwahl berücksichtigten die Studierenden die Konsequenzen der Entstehung des Gebäudes wie auch die eines späteren – hoffentlich erst in ferner Zukunft liegenden – notwendigen Rückbaus. Bei einer weiten Verbreitung dieser Prinzipien kann das Bauwesen einen erheblichen Beitrag zur Reduzierung klimaschädlicher CO2-Emissionen leisten.
Bautafel
Projekt
Schulpavillon Falkensee
Entwurf und Ausführung
Marlene Braun und Olin Petzold (Bachelorstudierende der TU Berlin, Masterstudierende der ETH Zürich)
Projektbetreuung
Marc Benjamin Drewes (Vertretungsprofessor für Entwurfslehre und Baukonstruktionslehre FH Erfurt, ehem. Mitarbeiter am Fachgebiet DE/CO)
Erst- und Zweitprüfer der Bachelor Thesis
Prof. Jan Kampshoff (Fachgebiet DE/CO - Entwerfen und Baukonstruktion, TU Berlin) und Eike Roswag-Klinge (Natural Building Lab, TU Berlin)
Tragwerksplanung
Andreas Schulz, Pichler Ingenieure
Lehmbauexperten
Jörg Depta, Lehmbauwerk Berlin & Gereon Legge, Architekt Falkensee
Mitstreiter:innen der TU Berlin
Kirsten Augstein, Anna Barwanietz, Alexander Binn, Peter Fell, Theo Göken, Nyske Mollema, Lena Mosel, Ole Siebert, Marie Steffens, Mila Thoma
Mitstreiter:innen der Fachhochschule Erfurt
Luna-Marie Broszat, Marie Fesser, Leonie Hobert, Maximilian Malz, Lisa Naumann, Maxima Schad, Hanna Stäbler
Schüler*Innen
Anais von Fircks, Theresa Heinrich, Romy Hilscher, Kristin Lahn, Noah Lindner, Kassandra Kaven, Gina-Antonia Kluge, Wiktoria Prill, Janneck Rosenthal, Friederike Sabotka, Melina Schmock, Karoline Winkler, Tabea Zöllner
Dachabdichtung
HERTALAN® EASY COVER EPDM-Plane von CARLISLE® Construction Materials Europe
Förderer
Förderverein des Vicco-von-Bülow-Gymnasiums e.V. & IKEA Stiftung
Sponsoren
CARLISLE® Construction Materials GmbH, CEMEX Deutschland AG, CLAYTEC Lehmbaustoffe GmbH, EuroTec GmbH, Festool GmbH, K & K Gerüstbau Falkensee GmbH, Landesbetrieb Forst Brandenburg, LIBOH Metallwerkstatt GmbH, ROBETA HOLZ OHG, Scheidel GmbH & Co. KG, SPAX, Sievert Baustoffe GmbH & Co. KG