Reden ist Silber, Schweigen ist Gold
Die neuen Medien machen es möglich – sie stellen Fachwissen für die breite Öffentlichkeit zur Verfügung – barrierefrei und rund um die Uhr. Während Kommentare zu den Fachregeln des Deutschen Dachdeckerhandwerks früher nur in gedruckter Form und in Fachkreisen vorlagen, kann sich heute jeder Bauherr auch ohne den nötigen Sachverstand diese und weitere Informationen aus dem Internet herunterladen und verinnerlichen. Das führt nicht selten zu gefährlichem Halbwissen und so ist der Streit am Bau oft vorprogrammiert.
Gestärkt durch das Selbststudium der Fachlektüre verlässt der Bauherr sich nicht mehr nur auf seinen Architekten, Dachdeckermeister oder auch den Sachverständigen – er bringt sich selbst wissend ein. Womöglich hat er auch in den Medien immer wieder wahrgenommen, dass die Bauschäden dramatisch zunehmen. Aber ist dies tatsächlich so oder stehen die Schäden durch die neue Medienvielfalt heute nur allgemein stärker im Fokus der Öffentlichkeit? Wenn es unterschiedliche Meinungen zur fachgerechten Ausführung zwischen den am Bau Beteiligten gibt, kann ein Ortstermin mit einem vereidigten Sachverständigen sinnvoll sein. Der Ortstermin muss nicht unbedingt einen gerichtlichen Ursprung haben, er kann eine Vorstufe sein, um unterschiedliche Sichtweisen zu erläutern und die Weichen für eine Einigung stellen. So muss der Dachdecker bei einem ersten Ortstermin auch nicht zwingend einen Rechtsbeistand hinzuziehen. Wenn man ein paar einfache Grundregeln beachtet, lässt sich ein Ortstermin jedoch gut überstehen und als das nutzen, wofür er geschaffen wurde – als Chance für eine gütliche Einigung.