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© NEXT architects

ARCHITEKTENGESPRÄCH

> Marijn Schenk, Architekt und Gründungspartner NEXT architects

// NEXT architects ist ein interdisziplinäres Architekturbüro mit Sitz in Amsterdam und Peking. Mitten im Amsterdamer Amstelkwartier haben die Planer eine ehemalige Lagerhalle der früheren Kaugummifabrik KBF in ein zeitgemäßes Bürogebäude transformiert. Das Projekt verbindet Alt und Neu auf besondere Weise und setzt zugleich hohe Maßstäbe in puncto Nachhaltigkeit. Die ökologisch optimierte Gründachlandschaft mit Retentionselementen und PV-Modulen wurde mit der besonders widerstandsfähigen EPDM-Abdichtungsbahn RESITRIX® SK W Full Bond von CARLISLE® umgesetzt. Im Interview mit Büropartner Marijn Schenk haben wir mehr über das ungewöhnliche Projekt erfahren.

Transformation der Kaugummifabrik KBF in Amsterdam

Im Gespräch mit Marijn Schenk von NEXT architects

Seit über zwanzig Jahren entwickeln NEXT architects Projekte an der Schnittstelle von Stadt, Architektur und Infrastruktur. Zu den wichtigsten Arbeiten des Büros zählen das farbenfrohe Hochhausensemble „Times Square“ in Peking oder der 2024 fertiggestellte Studentenwohnturm „De Stork“ in Amsterdam. Wiederholt haben sich die Planer auch mit der Sanierung und Umnutzung bestehender Strukturen befasst. Ein gelungenes Beispiel dafür ist die Lagerhalle der ehemaligen Kaugummifabrik KBF in Amsterdam, die nach den Plänen von NEXT architects zu einem modernen Bürogebäude umgenutzt und erweitert wurde.

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© NEXT architects | Jeroen Musch

Früher Kaugummifabrik, heute flexibles Bürogebäude: Das Projekt von NEXT architects zeigt auf, wie sich vorhandene Bausubstanz nachhaltig umnutzen lässt.

BLACKPRINT: Herr Schenk, wie entstand die Idee, die ehemalige Lagerhalle der Kaugummifabrik in Amsterdam in ein modernes Bürogebäude umzuwandeln?

Marijn Schenk: Da muss ich etwas ausholen: Das KBF-Gelände wurde in den 1950er-Jahren als Produktionsstätte für die Marke „Maple Leaf“ errichtet. Kaugummi galt damals als Symbol für Freiheit, die Niederländer hatten es gerade durch die kanadischen Befreier kennengelernt. Zwischen den 1950er- und 1980er-Jahren wurde der Standort zunächst in mehreren Etappen erweitert. Um das Jahr 2000 herum stand der Komplex dann aber leer, weil die Produktion an den Stadtrand verlegt worden war. Einige Jahre später wurde er dann durch die Investmentgesellschaft Lingotto aufgekauft, mit der Idee, hier einen Ort für Kreativ-Unternehmen zu schaffen. Das war 2007 und wir als NEXT architects waren damals einer der ersten Mieter hier vor Ort. Damals sah es hier noch ganz anders aus: Das Umfeld war industriell geprägt, überall standen alte Lieferwagen und ausrangierte Autos. Und abends wirkte die Gegend ziemlich verlassen, es gab lediglich einige Clubs und eine Rave-Location.

BLACKPRINT: Mittlerweile hat sich das Bild ziemlich gewandelt...

Marijn Schenk: Ja, in der Tat! 2019 wurde der Standort an die heutigen Eigentümer Tristan Capital Partners und Timeless Investments verkauft. Gemeinsam hatten wir damals die Idee, das Areal weiterzuentwickeln, zu verdichten und ein gemischtes Quartier zum Arbeiten und Wohnen zu schaffen.

BLACKPRINT: In einem ersten Schritt ist zunächst die alte Lagerhalle der Fabrik umgenutzt und erweitert worden. Wie haben Sie den Bestand architektonisch und funktional in die neuen Baukörper integriert? Und welche Rolle spielt das zentrale Treppenhaus in Holzbauweise dabei?

Marijn Schenk: In einem ersten Schritt haben wir zunächst untersucht, wie sich die bestehende Struktur der ehemaligen Kaugummifabrik für eine bauliche Verdichtung nutzen lässt und wo Potenziale für eine Weiterentwicklung liegen. Im Ergebnis haben wir dem Bauherrn schließlich vorgeschlagen, den eingeschossigen Sheddach-Flügel der ehemaligen Lagerhalle durch zwei Neubauflügel mit vier bzw. sechs Geschossen zu überbauen. Zwischen beiden Flügeln haben wir ein zentrales Treppenhaus aus Holz platziert. Diese Anordnung ermöglichte es, die gesamte vertikale Erschließung auszulagern und dadurch eine hohe Flexibilität in der Nutzung zu schaffen. Auf Grundlage dieser Studie wurden wir anschließend mit der Ausarbeitung der ersten Umsetzungsphase beauftragt.

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© Timeless Investments

In der Vogelperspektive wird die Lage der ehemaligen Kaugummifabrik im Quartier deutlich.

BLACKPRINT: Und wie entstand die Idee, die Sheddach-Form der ursprünglichen Industriehalle vertikal in den neuen Fassaden aufzugreifen?

Marijn Schenk: Uns war wichtig, nicht einfach ein beliebiges neues Bürogebäude zu bauen, sondern etwas, das sich gestalterisch auf die industrielle Vergangenheit bezieht und gleichzeitig architektonisch eigenständig ist. Deshalb haben wir nach einer Möglichkeit gesucht, um die charakteristische Sheddach-Struktur des Bestandes als Motiv für die Fassaden der neuen Baukörper aufzugreifen. Dabei wollten wir die Dachform aber nicht einfach nur wiederholen, sondern wir haben die charakteristischen Winkel jeweils um 90 Grad vertikal verdreht, sodass zusätzlich auch winkelförmig vor- und zurückspringende Außenräume vor den Büroetagen entstanden sind. Das verleiht dem Gebäude eine skulpturale Qualität, die zugleich an die industrielle Geschichte des Ortes erinnert.

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© NEXT architects | Jeroen Musch

Bei der Gestaltung der Fassade haben die Architekten die charakteristische Sheddach-Struktur des Bestandes aufgegriffen und jeweils um 90 Grad vertikal verdreht.

BLACKPRINT: Das Ergebnis ist ein markantes Gebäude mit individuellem Charakter. Welche Rolle spielte die Materialwahl in diesem Zusammenhang?

Marijn Schenk: Um den industriellen Charakter zu unterstreichen, haben wir ganz bewusst Materialien wie Holz, Stahl und Glas verwendet. Die großzügigen Glasflächen sorgen für lichtdurchflutete, offene Geschosse mit weitem Panoramablick. Im Kontrast dazu steht das weitgehend geschlossene, aus Holz konstruierte Treppenhaus, das zusätzlich mit transluzenten Polycarbonat-Elementen verkleidet ist. Diese lassen Tageslicht ins Gebäudeinnere, gewähren aber keine Ausblicke. Umso überraschender ist es, wenn man dann die offenen Büroetagen betritt!

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© NEXT architects | Jeroen Musch

Materialcollage aus Holz, Stahl, Glas und transluzenten Polycarbonat-Elementen.

BLACKPRINT: Rückblickend betrachtet: Was war die größte bauliche Herausforderung bei der Umnutzung der Amsterdamer Kaugummifabrik?

Marijn Schenk: Um die bestehende Lagerhalle in unseren Neubau zu integrieren, war es notwendig, den Komplex bis auf die Fassaden zurückzubauen. Nur so konnten wir ein neues, tragfähiges Fundament errichten, das den Anforderungen des erweiterten Gebäudes gerecht wird. Dort, wo keine zusätzlichen Geschosse aufgesetzt wurden, konnte das ursprüngliche Dach vollständig erhalten bleiben. Die übrigen Dächer wurden vorübergehend abgebrochen und konnten erst später wieder neu eingesetzt werden.

BLACKPRINT: Ein zentraler Bestandteil Ihres Entwurfs sind auch die verschiedenen Gründächer. Welche Rolle spielen die Flächen im Hinblick auf das Thema Nachhaltigkeit?

Marijn Schenk: Die zunehmende Aufheizung unserer Städte ist eine Realität, mit der wir uns auseinandersetzen müssen. Im Rahmen unserer Arbeit suchen wir deshalb ganz gezielt nach Strategien, die dieser Entwicklung entgegenwirken. Eine wichtige Rolle können dabei Gründächer übernehmen. Bei der Transformation der ehemaligen Kaugummifabrik haben wir diesbezüglich eine besonders artenreiche Vegetationsschicht mit verschiedenen Sedum-Arten umgesetzt und außerdem eine Retentionsebene integriert, die Regenwasser speichert und verzögert ableitet. Im Ergebnis wird das Mikroklima vor Ort verbessert und gleichzeitig entlasten wir die Kanalisation. Komplettiert wird das Konzept durch die Installation einer Photovoltaikanlage zur nachhaltigen Energiegewinnung.

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© NEXT architects | Jeroen Musch

Die geschosshohe Verglasung der Büroebenen ermöglicht weite Ausblicke über die Stadt.

BLACKPRINT: Parallel dazu haben Sie auch die Fassaden begrünt...

Marijn Schenk: Ja, uns war es wichtig, der vorhandenen Stahl- und Glasarchitektur eine weiche, lebendige Komponente gegenüberzustellen. Deshalb haben wir rund um das Gebäude vertikal verlaufende Rankhilfen aus Drahtseil integriert, an denen Pflanzen emporsteigen können. Gerade an der stark besonnten Südfassade fungiert dieser vertikale Garten als grüne Pufferzone, der zusätzliche Verschattung und Kühlung ermöglicht. Und auch im Innenraum wird das Grün als lebendige Verbindung zur Außenwelt sichtbar. Ein weiteres Element zur Umsetzung von mehr Nachhaltigkeit ist der umgestaltete Hof. Dort, wo früher Autos standen, haben wir einen kleinen Stadtpark angelegt – praktischerweise direkt vor unserem Büro. Bei gutem Wetter brauchen wir also nur die Türen zu öffnen und können unsere Mittagspause im Grünen verbringen.

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© NEXT architects | Jeroen Musch

Die Begrünung der Fassaden unterstreicht den nachhaltigen Ansatz des Gebäudes.

BLACKPRINT: Ein schönes Beispiel dafür, wie funktionale Gestaltung, Klimaanpassung und Aufenthaltsqualität zusammenspielen können. Aber noch einmal zurück zu den Gründächern: Warum haben Sie sich bei der Umsetzung der Flächen für die EPDM-Abdichtungsbahn RESITRIX® SK W Full Bond von CARLISLE® entschieden?

Marijn Schenk: Die RESITRIX® Bahn bietet einen zuverlässigen Schutz gegen Feuchtigkeit und Wurzelwachstum, zudem ist sie ökologisch unbedenklich, da sie keine Weichmacher enthält. Im Ergebnis bietet sie also genau das, wonach wir für dieses "grünblaue" Dach mit Begrünung und Retentionsebene gesucht haben. Hinzu kommt, dass die Bahnen eine sehr lange Nutzungsdauer von mehr als 70 Jahren haben. Das war uns sehr wichtig, da man das Gründach bei einem Austausch der Bahnen komplett entfernen müsste.

© Daktec BV
© Daktec BV

Die Umsetzung der Dachfläche als begrüntes Retentionsdach verbessert das Mikroklima und entlastet gleichzeitig die Kanalisation.

BLACKPRINT: Mit Projekten wie dem Quartier Woensel-West in Eindhoven oder dem Campus Uilenstede in Amstelveen haben Sie sich auch schon vorher intensiv mit der Transformation bestehender Strukturen beschäftigt. Was haben die unterschiedlichen Projekte gemeinsam und was verstehen Sie unter einer gelungenen Sanierung oder Umgestaltung?

Marijn Schenk: Für uns ist eine Transformation erfolgreich, wenn es gelingt, einige der vorhandenen Qualitäten wiederzuverwenden und wenn wir es schaffen, dem betreffenden Areal einen neuen Charakter und eine neue Bedeutung zu verleihen. Ein gutes Beispiel dafür ist der noch aus den 1970er-Jahren stammende Studentencampus Uilenstede in Amstelveen, der seinerzeit völlig introvertiert geplant wurde und wo es kaum Orte für Begegnungen gab. Als wichtigste Maßnahmen haben wir deshalb eine Reihe von Durchbrüchen geschaffen und einige Gebäude abgebrochen, um so deutlich mehr Offenheit und Sichtbeziehungen zu ermöglichen. Ergänzend haben wir einen verglasten Pavillon als Ort der Begegnungen hinzugefügt. So konnten wir die bestehende Struktur weitgehend erhalten und mit einem vergleichsweise geringen Eingriff gleichzeitig die Funktion und Atmosphäre des Ortes radikal verändern.

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© Loes van Duijvendijk

Bei der Transformation des Quartiers Woensel-West gelang den Architekten eine farbenfrohe Nachverdichtung eines Viertels aus den 1930er-Jahren.

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© Ossip van Duivenbode

Bei der Transformation des Studentencampus Uilenstede in Amstelveen haben die Architekten einen zentral platzierten gläsernen Pavillon als Ort der Begegnung ergänzt.

BLACKPRINT: Bei NEXT sind insgesamt rund 55 Mitarbeitende an den beiden Standorten Amsterdam und Peking tätig. Gemeinsam realisieren Sie eine große Bandbreite an Projekten – von Wohnbauten über Bildungs- und Kulturbauten bis hin zu Brücken. Was haben diese unterschiedlichen Projekte gemeinsam und wie würden Sie den Architekturansatz von NEXT charakterisieren?

Marijn Schenk: In unserem Büro verwenden wir den Claim „NEXT Connects“. Das bedeutet für uns, dass wir nach Verbindungen suchen – zwischen Menschen, aber auch zwischen Orten sowie zwischen Vergangenheit und Zukunft. Denn auch bei unseren Infrastruktur-Projekten geht es uns darum, Brücken zu schlagen. Statt einem festen Stil verfolgen wir also einen eher kontextbezogenen Ansatz: Unsere Architektur soll in Beziehung zur Umgebung treten. Diese Haltung ist ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit.

BLACKPRINT: Und an welchen Projekten arbeiten Sie gerade?

Marijn Schenk: Derzeit realisieren wir unter anderem die Cartesius-Grundschule mit Kindertagesstätte und Sporthalle in Utrecht. Grundlage des Entwurfs sind die hohen Anforderungen des Quartiers an einen gesunden Lebensstil und ein gesundes Wohnumfeld – formuliert im Rahmen des zugrunde liegenden „Blue-Zone“-Konzepts. Vor diesem Hintergrund haben wir den Neubau als energieneutrales Gebäude entwickelt, das zugleich den städtischen Anspruch an Kreislauffähigkeit erfüllt. Das Ergebnis ist ein spiralförmig organisierter Baukörper mit begrüntem Innenhof, der sich fließend in die Umgebung einfügt. Durch die gezielte Einbindung der umgebenden Landschaft bis hinauf zu den Dachgärten entsteht ein Ensemble, das den grünen Charakter des Quartiers aufgreift und architektonisch weiterführt.

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© NEXT architects, Christensen & Co

Visualisierung der Cartesius-Grundschule mit Kindertagesstätte und Sporthalle in Utrecht.

BLACKPRINT: Wir sind gespannt auf das fertige Gebäude und bedanken uns für das Gespräch!

Das Interview führte Robert Uhde.

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