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Mit Gründächern Städte gesünder machen

„Die schwarzen Bitumendächer sind die geteerten Raucherlungen unserer Stadt“, konstatiert Friso Klapwijk vom Amsterdamer Planungsbüro „De Dakdokters“ bewusst provokant. „Wir wollen, dass alle diese Dachflächen frei atmen können und die Stadt wieder gesund werden kann. Das ist unsere Mission. Und deshalb haben wir uns zum Ziel gesetzt, so viele Dächer zu begrünen wie nur irgend möglich!“

Zugegeben: Sein Planungsbüro und Dachbauunternehmen als „Dachdoktoren“ zu positionieren, das zeugt zuallererst von einem guten Gespür für Marketing. Aber mit dem Anliegen dahinter
ist es Friso Klapwijk durchaus ernst. Denn glaubt man dem Geschäftsführer des 2010 gegründeten Betriebes, dann sind die meisten Flachdächer in unseren Städten regelrecht krank: „Alle diese Flächen sind ökologisch betrachtet vollkommen wertlos“, beschreibt er den Status quo. „Sie tragen zur weiteren Aufheizung unserer Städte bei und werden bestenfalls zum Aufbau von technischen Anlagen genutzt. Kostbares Regenwasser wird derweil in die Kanalisation abgeführt, so dass unsere Städte immer weiter versiegelt werden. Um diesen Irrsinn zu beenden,
sollten wir endlich damit beginnen, all diese Flachdachflächen zu begrünen und unsere Umwelt dadurch gesünder zu machen!“

Zusätzliche Dringlichkeit erfährt das Thema durch die aktuelle COVID-19-Pandemie: „Die Menschen halten sich derzeit deutlich mehr zu Hause auf und nehmen entsprechend auch die Qualität
ihres unmittelbaren Lebensumfeldes viel intensiver wahr“, berichtet Friso Klapwijk. „Immer stärker haben wir deshalb den Wunsch, ins Grüne zu blicken und zwischendurch an die frische Luft gehen zu können. Viele Unternehmen reagieren bereits auf dieses Bedürfnis und lassen bestehende Dachflächen zu Dachgärten umwandeln, um ihren Angestellten so zu ermöglichen, in den Pausen nach draußen zu gehen oder sogar draußen arbeiten zu können.“

Riesiges potenzial in der Bestandssanierungt für begrünte oder multifunktionale Dachlandschaften

De Dakdokters verstehen sich als Landschaftsplanungsbüro ebenso wie als Dachbauunternehmen: „Wir entwerfen also nicht nur Dachgärten, wir realisieren sie dann auch“, erklärt Friso Klapwijk, der gleichzeitig auch Vorstandsmitglied der Vereinigung Nationaal Dakenplan (siehe Kasten) und im VHG ist, dem niederländischen Fachverband für Gründächer.
„In aller Regel arbeiten wir dabei im Bestand. Ganz bewusst haben wir unser Team deshalb interdisziplinär mit Architekten, Tischlern, Dachdeckern, Bauphysikern und Gärtnern besetzt, so dass wir ein breites Know-how über unterschiedlichste Dachkonstruktionen sowie über sämtliche Details der Bauphysik aus einer Hand anbieten können. Ganz wichtig ist uns außerdem, dass wir ausschließlich solche Dachsanierungen annehmen, bei denen letztlich ein Dachgarten oder ein Gründach umgesetzt wird. Und das Potenzial ist letztlich riesig: Rund 80 Prozent aller Amsterdamer Flachdächer sind dazu geeignet, begrünt oder als multifunktionale Dachlandschaft genutzt zu werden!“

Die Leidenschaft für Gründächer begleitet Friso Klapwijk schon ein Leben lang. Voller Hoffnung hatte er deshalb sein Bauingenieur-Studium begonnen: „Leider musste ich dort aber feststellen, dass sich alles nur um Asphalt und Beton drehte“, blickt er ernüchtert zurück. Stattdessen stieg er schließlich bei Arcadis ein, einem internationalen Anbieter von Beratungs-, Projektmanagement- und Ingenieurleistungen in den Bereichen Infrastruktur, Wasser, Umwelt und Immobilien, um dort an einer Nachhaltigkeitsstudie für die Gemeinde Rotterdam teilzunehmen: „Einigermaßen überrascht hatten wir dabei festgestellt, dass die vorhandenen Anstrengungen in diesem Bereich fast ausschließlich auf Neubauten abzielten und dass es entsprechend ein riesiges Potenzial in der Bestandssanierung gab.“

Kurz darauf entstand damals die Idee für „De Dakdokters“: „Den Namen haben meine beiden ehemaligen Partner damals in einer Kneipe erfunden“, blickt Friso Klapwijk lachend zurück. „Bei einer größeren Präsentation traten die beiden dann entsprechend mit weißen Arztkitteln auf. Durch einen Zeitungsartikel darüber bin ich damals auch auf die Idee aufmerksam geworden
und habe mich bei den beiden gemeldet. So ist das alles entstanden. Und jetzt, zehn Jahre später, arbeiten wir erfolgreich mit 27 festangestellten und zehn freien Mitarbeitern an der Umsetzung unserer Mission.“

Vorteile eines Gründachs

Die Vorteile eines Gründachs sind vielfältig: „Zum einen tragen sie zur Luftverbesserung und zu einer deutlichen Erhöhung der Artenvielfalt in unseren Städten bei, da sie Insekten und Vögel anziehen, zum anderen ist ein Gründach natürlich viel schöner anzusehen“, meint Friso Klapwijk. „Deshalb finde ich es auch absolut unverständlich, dass Kinder in ihren Schulen, Patienten in
Krankenhäusern oder ältere Menschen in Pflegeheimen regelmäßig auf schwarze Dächer schauen müssen. Dabei gilt es doch längst als erwiesen, dass der Anblick von Grünflächen positive Auswirkungen auf die Gesundheit hat.“ Hinzu kommt, dass Gründächer als sommerlicher Wärmepuffer und als winterlicher Wärmespeicher für das Gebäude fungieren und außerdem auch eine positive thermische Wirkung für die Stadt haben: Denn weil Gründächer eine deutlich niedrigere Oberflächentemperatur haben als Materialien wie Bitumen und Kies, erwärmen sie auch die Umgebungsluft deutlich weniger. Aus bauphysikalischer Sicht sorgt die geringere Hitze gemeinsam mit einer reduzierten Licht- und UV-Strahlung außerdem dafür, dass der Dachaufbau langsamer altert und die Lebensdauer der Dachabdichtung somit erheblich verlängert werden kann.

Als weitere Vorteile von begrünten Dächern erwähnt Friso Klapwijk eine optimierte Regenrückhaltung und die dadurch mögliche Entlastung der Kanalisation bei starken Regenfällen: „Ganz wichtig ist für uns, dass wir Regenwasser als wichtigen Rohstoff sehen und nicht als ‚Abfall‘, der so schnell wie möglich ins Abwassersystem abgeleitet werden soll“, erklärt er. „Deshalb
setzen wir immer häufiger unser Polder-Dachsystem ein, das aus mehreren Kisten besteht, in denen Regenwasser gespeichert werden kann. Das System kann einerseits zur Bewässerung eingesetzt werden, andererseits ermöglicht es eine verzögerte und somit überschwemmungssichere Regenwasserabfuhr über die Kanalisation.“ Zum Tragen kommen die genannten
Vorteile vor allem bei einer intensiven Dachbegrünung: „Viele Gründächer sind lediglich mit Sedum bedeckt“, erklärt Friso Klapwijk. „Das ist immerhin schon ein erster Schritt. Aber letztlich ist es aus ökologischer Sicht natürlich deutlich besser, eine intensive Begrünung zu wählen und einen Dachgarten mit Sträuchern oder Bäumen umzusetzen.“

Nachhaltige Gründachabdichtung mit CARLISLE® EPDM Produkten

Wie sehr den Dachdoktoren das Thema Nachhaltigkeit am Herzen liegt, beweisen die Planer nicht zuletzt auch durch ein spezielles Sponsoring. Denn um ihr wichtigstes Ziel zu verfolgen, investiert das Unternehmen zehn Prozent seines Gewinns in Dachgärten für Schulen und andere Orte, die sonst nicht realisiert werden könnten. Zu den ersten realisierten Projekten der Dakdokters zählte seinerzeit die Dachsanierung des „American Book Center“ im Zentrum von Amsterdam: „Sowohl von unserem Auftraggeber als auch von unseren Lieferanten haben wir damals viel Unterstützung erhalten“, blickt Friso Klapwijk zurück. „Mit dabei war damals auch CARLISLE®, die uns ihre HERTALAN® EASY COVER EPDM-Planen geliefert haben und die auch Partner der Vereinigung Nationaal Dakenplan sind.“ Mittlerweile haben wir unser Unternehmen sukzessive weiterentwickelt und haben dabei festgestellt, dass auch CARLISLE® seine Produktpalette
fortwährend erweitert hat. In Bezug auf EPDM nutzen wir inzwischen überwiegend RESITRIX® Bahnen, die perfekt für die Amsterdamer Dächer mit ihren zahlreichen Details geeignet sind.“

Für die kommenden Jahre wünscht sich Friso Klapwijk eine noch stärkere Verbreitung von Gründächern: „Potenzielle Bauherren will ich dabei dazu ermuntern, bereits in der Entwurfsphase die Integration von begrünten Dächern zu berücksichtigen. Denn nur so lassen sich anschließend ein optimaler Dachaufbau und ein optimales Nutzungskonzept sicherstellen. Ebenso möchte ich auch die gesamte Branche dazu auffordern, intelligente Lösungen zu entwickeln, zum Beispiel im Bereich der Zirkularität oder im Hinblick auf Versicherungsmodelle für vollständig begrünte Dächer. Über den eigenen Tellerrand hinaus denke ich aber, dass wir diese Fragen auch als Gesellschaft beantworten müssen.“

 


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