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7 Praxistipps für das fachgerechte Flachdach

Sieben Praxistipps-Carlisle Blog

Flachdachkonstruktionen sind einer Vielzahl von Einwirkungen ausgesetzt. Um ihre Funktionssicherheit und die geplante Nutzungsdauer zu gewährleisten, bedarf es der Einhaltung und Umsetzung aller Anforderungen des technischen Regelwerkes. Hierbei sind die DIN 18531 sowie die Fachregel für Abdichtungen (Flachdachrichtlinie) von maßgebender Bedeutung. Da beide Vorschriften teilweise unterschiedliche Anforderungen aufweisen, ist der Bezug auf die jeweilige Regel schon in der Ausschreibungsphase bzw. bei der Angebotserstellung von entscheidender Bedeutung, um spätere Mängelanzeigen schon im Vorfeld auszuschließen. Entscheidend kann auch die Bedeutung und Anwendung der innerhalb des Regelwerkes enthaltenen Modalverben sein.

Die nachfolgend dargestellten Einbaubedingungen verdeutlichen die Komplexität der Einflussfaktoren. Es werden vorhandene Unterschiede des Regelwerkes berücksichtigt. Dabei können nicht immer alle Einzelheiten des technischen Regelwerkes wiedergegeben werden.

 

1. TRAUFAUSBILDUNG

Gemäß der Flachdachrichtlinie sollen die unterhalb der Traufbleche angeordneten Randbohlen oder wärmegedämmten Profile 10 mm niedriger als die vorhandene Dämmschicht sein, um eine ungehinderte Ableitung von Niederschlagswasser zu ermöglichen. Rinnenhalter sollen eingelassen oder die Zwischenräume aufgefüttert werden. Eingeklebte Traufbleche erfüllen gemäß DIN 18531 nur die Anwendungsklasse K1. Bei Rinnen aus verzinktem Stahl oder Titanzink sind laut Flachdachrichtlinie unabhängig von der Art der Abdichtung innenseitig Maßnahmen zum Korrosionsschutz erforderlich. Gemäß DIN 18531 beschränkt sich diese Anforderung auf Abdichtungen mit Bitumen- und Polymerbitumenbahnen und bitumenhaltige Kunststoff- oder Elastomerbahnen ohne schweren Oberflächenschutz.

 

CARLISLE® TIPP:
Dachrinnen oder andere Bauteile aus Zink oder verzinktem Stahlblech sind stets mit einem Korrosionsschutzanstrich zu versehen.

 

2. SOLARANLAGEN UND/ODER BAUTECHNISCHE ANLAGEN

Dächer mit Solaranlagen und/oder bautechnischen Anlagen gehören zu den genutzten Dächern. Wärmedämmstoffe müssen deshalb der erhöhten Druckfestigkeitsklasse dh entsprechen. Gemäß Flachdachrichtlinie können auch Dämmstoffe aus Mineralwolle mit einer Druckfestigkeit von mindestens 70 kPa verwendet werden. Die Abdichtungsschicht darf nicht zur lastabtragenden Befestigung, z.B. durch Kleb- oder Schweißverbindungen, genutzt werden. Bei aufgelegten Systemen mit geeigneten Schutzlagen oder Schutzschichten müssen die Druckkräfte durch den Schichtenaufbau in die Tragkonstruktion abgeleitet werden. Der Mindesthöhenabstand von aufgestellten Anlagen über Oberfläche Belag sollte mindestens 0,50 m betragen, um die Ausführungs-, Wartungs- und Pflegearbeiten nicht zu behindern. Insgesamt muss eine Bewertung der Funktionstüchtigkeit des Dachaufbaus im Hinblick auf die geplante Nutzungsdauer der Anlage vorgenommen werden. Bei Dächern im Bestand ist deshalb die Abdichtungsschicht gegebenenfalls zu erneuern.

CARLISLE® TIPP:
Abdichtungen unter Aggregaten und Anlagen sollten eine lange Nutzungsdauer haben, da im Sanierungsfall eine zeit- und kostenintensive Demontage erforderlich ist.

 

3. MECHANISCHE BEFESTIGUNG DES DACHAUFBAUS

Die mechanische Befestigung zur Aufnahme vertikaler Kräfte kann durch verschiedene Systeme vorgenommen werden. Einzelbefestiger müssen eine dynamische Ausreißkraft von mindestens 0,4 kN aufweisen, die Mindestanzahl beträgt zwei Stück/m2. Bei Befestigung in der Überdeckung beträgt der Mindestabstand zwischen Lastverteilteller und Bahnenkante mindestens 10 mm. Zusätzlich ist die Mindestfügebreite für die jeweilige Dichtungsbahn zu beachten. Bei Instandsetzungen von wärmegedämmten Dachaufbauten sollen gemäß der Flachdachrichtlinie korrosionsbeständige Befestiger verwendet werden. Gemäß DIN 8531 sind bei Abdichtungen der erhöhten Anwendungsklasse K2 sogar immer korrosionsbeständige Schrauben zu verwenden, im Allgemeinen aus Edelstahl.

CARLISLE® TIPP:
Die richtige Positionierung und Werkstoffauswahl der Befestiger bilden wichtige Voraussetzungen für eine windsogsichere Befestigung.

 

4. MASSNAHMEN ZUR AUFNAHME HORIZONTALER KRÄFTE

Horizontalkräfte innerhalb der Abdichtungsebene wirken abhängig von Unterkonstruktion, Wärmedämmung, Auflast und Abdichtungsart. Dabei ist die Abdichtung an Dachrändern, Durchdringungen und Einbauteilen mechanisch zu befestigen. Die Befestigung in der Unterkonstruktion erfolgt in oder unmittelbar über der Abdichtungsebene durch Linienbefestigung oder durch lineare Befestigung. Während die Flachdachrichtlinie die
Anordnung bei allen einlagigen Abdichtungen vorschreibt, ist nach DIN 18531 die Horizontalbefestigung auf lose verlegte einlagige Abdichtungen beschränkt. Weitere unterschiedliche Vorgaben des technischen Regelwerkes ergeben sich aus der Art der Tragkonstruktion, der Wärmedämmung und der Art der Verlegung.

CARLISLE® TIPP:
Maßnahmen zur Aufnahme horizontaler Kräfte sind mitentscheidend für die horizontale Lagesicherheit aller Einzelschichten.

 

5. AUSBILDUNG VON BEGEHBAREN DACHFLÄCHEN

Dämmstoffe für begehbare Dächer müssen der Druckfestigkeitsklasse dh entsprechen. Bei bahnenförmigen Abdichtungen muss die Nutzschicht von der Abdichtungsschicht getrennt werden. Es sind geeignete Schutzlagen oder -schichten anzuordnen. Für die Abdichtung von Balkonen, Loggien und Laubengängen können nach DIN 18531 auch alternative Abdichtungsstoffe verwendet werden. Im Anschlussbereich ist die Abdichtung gegen mechanische Beschädigung zu schützen.

CARLISLE® TIPP:
Bei begehbaren Dachflächen müssen alle Einzelschichten und -lagen der Dachkonstruktion den erhöhten Anforderungen gerecht werden.

 

6. WÄRMEDÄMMSTOFFE AUS POLYSYROL-HARTSCHAUMPLATTEN

Derartige Dämmstoffe können in Abhängigkeit von ihrer Festigkeitsklasse sowohl für nicht genutzte als auch für genutzte Dachflächen eingesetzt werden. Während Platten aus expandiertem Hartschaum (EPS) ausschließlich unterhalb der Abdichtungsschicht verlegt werden dürfen, liegt der Anwendungsbereich von Platten aus extrudiertem Hartschaum (XPS) in der Regel im Bereich von Umkehrdächern auf Basis einer bauaufsichtlichen Zulassung, also oberhalb der Abdichtungsschicht. Da XPS-Platten große temperaturbedingte Längenänderungen mit negativen Auswirkungen auf die Abdichtung besitzen, sollte ihr Anwendungsbereich auf Umkehrdächer beschränkt bleiben. Ansonsten ist eine vollflächige und damit aufwendige Trennung zwischen Dämmung und Abdichtungsschicht vorzusehen. Bei EPS-Platten ist zu berücksichtigen, dass ihre Temperaturbeständigkeit eingeschränkt ist. Bei hoher Temperatureinwirkung, z.B. bei Einsatz im Bereich vor aufgehenden windgeschützten reflektierenden Bauteilen, kann es zu Verformungen oder zum Aufschmelzen des Dämmstoffs kommen. Außerdem können herstellungsbedingte Längenänderungen (Schrumpf) von EPS-Fugen verursachen. Deshalb empfiehlt sich die Verwendung von Platten mit Stufenfalz oder eine mehrlagige Verlegung.

CARLISLE® TIPP:
EPS- und XPS-Platten sollten gezielt unterhalb bzw. oberhalb der Abdichtungsschicht angeordnet werden.

 

7. Dächer in Holzbauweise

Dächer in Holzbauweise mit Vollsparrendämmung ohne Hinterlüftung der Abdichtungsunterlage haben sich in der Praxis als sehr schadensträchtig gezeigt. Sie sind als Sonderkonstruktionen zu betrachten und erfordern zur Vermeidung von schweren Holzschäden gesonderte bauphysikalische Nachweise sowie zusätzliche konstruktive, baustoffliche und einbautechnische Besonderheiten.

CARLISLE® TIPP:
Die hygrothermische Simulation ist eine geeignete Methode zur Berechnung des realen Verhaltens der nach DIN 4108 sogenannten „nicht nachweisfreien Bauteile“ im Hinblick auf kapillaren Feuchtetransport, Sorption, Baufeuchte etc.

Schauen Sie sich auch gerne unseren Blogbeitrag 8 Praxistipps für die fachgerechte Flachdachabdichtung an. Hier beleuchtet Burkhard Saabel, Dachdeckermeister und Sachverständiger, u.a die Themen Dachneigung, Entwässerung und die Ausbildung von Details.

 

Die aufgeführten Kriterien stehen in enger Wechselwirkung zueinander. Das verdeutlicht die Komplexität der Problematik. Schon der Ausfall eines Gliedes innerhalb der Kette kann die Funktionalität des Gesamtwerkes infrage stellen und zu Schäden führen. Daher sind die fachgerechte Planung und Ausführung nach den Vorgaben des entsprechenden technischen Regelwerkes von entscheidender Bedeutung.

 


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