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Ortstermin mit Sachverständigen

Wissen

Tipps für den Ortstermin mit einem Sachverständigen

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold

Die neuen Medien machen es möglich – sie stellen Fachwissen für die breite Öffentlichkeit zur Verfügung – barrierefrei und rund um die Uhr. Während Kommentare zu den Fachregeln des Deutschen Dachdeckerhandwerks früher nur in gedruckter Form und in Fachkreisen vorlagen, kann sich heute jeder Bauherr auch ohne den nötigen Sachverstand diese und weitere Informationen aus dem Internet herunterladen und verinnerlichen. Das führt nicht selten zu gefährlichem Halbwissen und so ist der Streit am Bau oft vorprogrammiert.

Gestärkt durch das Selbststudium der Fachlektüre verlässt der Bauherr sich nicht mehr nur auf seinen Architekten, Dachdeckermeister oder auch den Sachverständigen – er bringt sich selbst wissend ein. Womöglich hat er auch in den Medien immer wieder wahrgenommen, dass die Bauschäden dramatisch zunehmen. Aber ist dies tatsächlich so oder stehen die Schäden durch die neue Medienvielfalt heute nur allgemein stärker im Fokus der Öffentlichkeit? Wenn es unterschiedliche Meinungen zur fachgerechten Ausführung zwischen den am Bau Beteiligten gibt, kann ein Ortstermin mit einem vereidigten Sachverständigen sinnvoll sein. Der Ortstermin muss nicht unbedingt einen gerichtlichen Ursprung haben, er kann eine Vorstufe sein, um unterschiedliche Sichtweisen zu erläutern und die Weichen für eine Einigung stellen. So muss der Dachdecker bei einem ersten Ortstermin auch nicht zwingend einen Rechtsbeistand hinzuziehen. Wenn man ein paar einfache Grundregeln beachtet, lässt sich ein Ortstermin jedoch gut überstehen und als das nutzen, wofür er geschaffen wurde – als Chance für eine gütliche Einigung.

Was Sie vor dem Ortstermin beachten sollten

  1. Seien Sie pünktlich sowie gedanklich und sachlich gut vorbereitet.
  2. Falls Sie eine Probeöffnung durchführen sollen, halten Sie entsprechendes Werkzeug und Material bereit. Machen Sie jedoch keine freiwilligen Probeöffnungen, um zu zeigen, wie sorgfältig Sie gearbeitet haben. Falls Sie genau an dieser Stelle etwas offenlegen, was bisher nicht im Fokus des Sachverständigen lag, ist eventuell ein weiterer Mangel relevant.
  3. Fragen Sie sich, welche Mitarbeiter die Baustelle abgewickelt haben und ob Sie sich eventuell noch auf Überraschungen gefasst machen müssen wie Bauschuttreste, Bierflaschen oder Zigarettenkippen in Bereichen, die nicht leicht einsehbar sind.
  4. Der Ortstermin ist immer Chefsache!
  5. Der Mitarbeiter, der eventuell am Ortstermin teilnimmt, muss ein loyaler Mitarbeiter sein, der sich in Ihrem Betrieb wohlfühlt und respektiert wird. Auf keinen Fall jemand, der eventuell noch eine Privatabrechnung mit Ihrer Firma vornehmen möchte und dem Gutachter Hinweise gibt, die nicht nötig gewesen wären. Dies stellt bei dem heutigen Fachkräftemangel eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar, da der eventuelle Verlust des Arbeitsplatzes nicht mit einem Beschäftigungsverlust verbunden sein muss. Die Erfahrung zeigt zwar, dass die Vorarbeiter und Gesellen bis auf ganz wenige Ausnahmen zu ihrer Firma stehen. Man muss sie jedoch häufig in ihrem Eifer bremsen, weil sie nicht ausreichend über die aktuellen Fachregeln informiert sind.
  6. Weisen Sie Ihre Mitarbeiter darauf hin, was im Umgang mit der Gegenseite zu beachten ist: Höflichkeit, Sauberkeit, Zurückhaltung. Abgestimmte Angaben zur Sache sind erforderlich und dienlich.

Was Sie während des Ortstermins beachten sollten

  1. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold – erzählen Sie nicht zu viel ungefragt.
  2. Lassen Sie sich nicht provozieren, wie z.B. durch
    • Ihre Arbeit wird schlecht gemacht
    • Sie werden als unzuverlässig dargestellt
    • Sie hätten auf freundliche Hinweise des Auftraggebers nicht reagiert
    • Sie seien nicht der billigste Verarbeiter gewesen, der Auftraggeber habe sich daher bewusst für Ihre Firma entschieden und jetzt „so etwas“
  3. Schalten Sie Ihr Handy aus – Ihnen könnten ansonsten wichtige Feststellungen und Hinweise während des Ortstermins entgehen.
  4. Notieren Sie sich alle Argumente der Gegenpartei, so können Sie nach dem Ortstermin in Ruhe überlegen, wie Sie darauf reagieren werden.

Was Sie nach dem Orstermin beachten sollten

  1. Reichen Sie die erforderlichen Unterlagen ein, bevor das Gutachten erstellt wird (Windlastberechnung, Entwässerungsberechnung, Verarbeitungshinweise der Hersteller der verwendeten Produkte), wenn der Sachverständige anzweifelt, dass diese Dinge erstellt wurden bzw. nach ihnen gearbeitet wurde.
  2. Seien Sie zu erträglichen Zugeständnissen bereit, um eine gerichtliche Auseinandersetzung zu vermeiden, denn eindeutige Sieger sind in Bau-Prozessen die absolute Ausnahme. Bau-Prozesse sind nicht nur lang und teuer, sie sind für die Beteiligten auch eine Belastung. Von ihnen profitieren häufig nur die Rechtsanwälte.
  3. Falls Sie sich für einen Rechtsanwalt zu Ihrer Unterstützung entscheiden, wählen Sie einen Anwalt, der sich auf Baurecht spezialisiert hat.

 


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