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Lagesicherung

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Sturm – ja und? Die richtige Ausführung bringt mehr Sicherheit für das Dach.

Dachschäden Lagesicherung

Das Thema Lagesicherung auf dem Flachdach rückt aufgrund der in Stärke und Intensität zunehmenden Unwetterereignisse immer mehr in den Fokus von Sachverständigen und Versicherungen. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat Hochrechnungen erstellt, um die Zunahme der Schäden und die damit verbundenen Kosten abzuschätzen. Dies hat dazu geführt, dass beispielsweise Sturmschäden heute anders bewertet werden als noch vor wenigen Jahren. Wurde in der Vergangenheit ein Sturmschaden gemeldet, überprüfte die Versicherung die Wetterlage bei Schadenseintritt anhand der Daten des Deutschen Wetterdienstes. Bei positiver Übereinstimmung mit der Meldung erfolgte die Schadensregulierung meist unkompliziert. Heute werden oftmals Sachverständige, die auf diese Bereiche spezialisiert sind, von den Versicherern beauftragt, um den Schaden zu bewerten und festzustellen, ob bereits vorher Mängel am Dach vorhanden waren. Werden z. B. Verarbeitungsfehler, Planungsfehler, eine falsche oder gar fehlende Windlastberechnung festgestellt, wird oftmals eine Empfehlung des Sachverständigen an die Versicherungsgesellschaft ausgesprochen, den Schaden abzulehnen. Einen Beweis dafür anzuführen, dass das Dach auch Schaden genommen hätte, wenn die betreffende Leistung mangelfrei gewesen wäre, ist meist nicht möglich oder sehr aufwendig. Daher sollte diesem Punkt bereits bei der Planung besondere Beachtung geschenkt werden. Bei diesen Berechnungen unterstützt CARLISLE® seine Kunden selbstverständlich gerne kostenlos.

Hier finden Sie unsere Online Berechnungsformulare. 

Wie eine Windlastberechnung erstellt wird und welche Parameter zu berücksichtigen sind, ist seit Juli 2012 in der europäischen Norm DIN-EN 1991-1-4 geregelt. Davor war dies in der Landesnorm 1055-4 definiert.

Welches Lagesicherungs-System ist das richtige?

Die Lagesicherung ist ein wichtiger Baustein der Gebäudestatik. Für eine fachgerechte Windsogsicherung stehen drei Systeme zur Auswahl.

Jedes System hat seine Vor- und Nachteile, die bereits bei der Planung abgewogen werden müssen, um die beste Lösung für ein spezifisches Projekt zu definieren. Das sicherste System ist die mechanische Befestigung gefolgt von der Auflast. Ein verklebter Aufbau birgt die meisten möglichen Ausführungsfehler. Bei allen drei Systemen muss die Lagesicherung mittels einer Windlastberechnung nachgewiesen werden. Bei den heutigen Dämmstoffstärken von teilweise über 300 mm wird die mechanische Befestigung allerdings schnell aufwendig und kostenintensiv. Bei der Auflast muss in Eck- und Außenbereichen oft mit hohen Schichtaufbauten gerechnet werden, die bei der Statik und bei den Anschlusshöhen zu berücksichtigen sind. Bei dem verklebten Dachaufbau sind viele Parameter zu berücksichtigen, wie z. B. ein ebener Untergrund sowie eine Verarbeitungs- und Bauteiltemperatur von mindestens 5 Grad Celsius. Bei dicken Wärmedämmungen müssen mehrere Schichten untereinander verklebt werden. Die maximalen Dämmstoffstärken pro Schicht – insbesondere bei EPS – sind in den Regelwerken Flachdachrichtlinie und DIN 18531 geregelt. Eine Verklebung auf Trapezblechtragschalen sollte nur in Ausnamefällen vorgesehen werden, denn beim Trapezblech stehen nur die schmalen Obergurte als Klebefläche zur Verfügung und die Obergurte dürfen nicht mehr als 2 mm in der Höhe voneinander abweichen. Der verklebte Dachaufbau ist zudem durch Gebäudehöhen und Lage der Gebäude limitiert. Die Abreißfestigkeiten der Baustoffe liegen zwischen 2,5 und 3,6 kN/m2. Bei Gebäuden mit einer Höhe von 25 m und mehr kann ein verklebtes System meist nicht mehr eingesetzt werden. Die Windlastberechnung gibt Aufschluss über die zu erwartenden Kräfte in den Windzonen auf dem Dach. Diese müssen mit den Abreißfestigkeiten der Baustoffe abgeglichen werden.

Risikiominimierung durch gute Planung und Bauüberwachung

Bereits in der Planungsphase sollte sorgfältig abgewogen werden, welches der drei Systeme zur Lagesicherung für ein Bauvorhaben das richtige ist. Die Leistungen sind dann ausführlich und umfänglich auszuschreiben, z. B. mit dem Hinweis auf die Bedeutung der winddichten An- und Abschlüsse. Werden Anschlüsse an den Außenseiten eines Gebäudes nicht winddicht hergestellt, strömt Wind unter die Konstruktion, was zu Schäden bzw. Versagen des Dachschichtenpaketes führt. Die einwirkende Windkraft erhöht sich dann um über 75 % gegenüber einer Konstruktion, in die kein Wind eindringen kann und es kommt unweigerlich zum Sturmschaden.

Sturmschäden Dach Lagesicherung

Kleine Ursache mit großer Wirkung: Wenn der Wind einen Schwachpunkt bei der Lagesicherung als Angriffspunkt lokalisiert hat, folgt meist eine Kettenreaktion mit möglichen dramatischen Folgen – wie hier in einem innerstädtischen Bereich mit Personen- und Schiffsverkehr, einer angrenzenden S-Bahn und Straßen.

In der Bauüberwachung sollten folgende Leistungen vor Ort besonders im Fokus stehen:

  • Liegt den ausführenden Fachkräften eine Windlastberechnung vor? Falls nicht, muss diese schnellstmöglich angefordert werden. Ein fachgerechtes Arbeiten ohne einen statischen Nachweis ist nicht möglich.
  • Werden die An- und Abschlüsse insbesondere an Attiken und Traufen winddicht ausgeführt? Ein Einklemmen der Abdichtungsbahn mit der Attikaabdeckung reicht nicht aus.

Bei Lagesicherung durch mechanische Befestigung:

  • Passen die Schraubenabstände zu den Vorgaben aus der Windlastberechnung?
  • Haben die Halteteller einen Mindestabstand von 10 mm bis zur Nahtkante der Bahn bei der Befestigung im Saumbereich?
  • Ist die Dämmung insbesondere bei Mineralfaser trittsicher, damit der Halteteller bei Windeinwirkung die Abdichtungsbahn zwischen dem Halteteller und der Wärmedämmung einklemmen kann? Ist die Dämmung zu weich, rutscht die Abdichtungsbahn bei Windeinwirkung unter dem Halteteller durch.

Bei Lagesicherung durch Verklebung:

  • Wird beim verklebten Aufbau auf die Bauteiltemperatur von mindestens 5 Grad Celsius geachtet?
  • Erfolgt der Klebstoffauftrag gemäß den Vorgaben aus der Windlastberechnung? Ein „schlangenlinienförmiger“ Auftrag ist nicht zulässig. Der Auftrag des Klebers ist immer streifenweise oder vollflächig auszuführen.
  • Ist der Untergrund eben genug für den verwendeten Kleber?
  • Die neu verlegten und verklebten Dämmstoffplatten dürfen mindestens 45 Minuten nicht begangen werden. Oftmals ist auf der Baustelle zu sehen, dass der Verarbeiter über die gerade verlegten Platten läuft, um neue Platten zu holen. Dabei drückt sich der Kleber zusammen, kommt bei Entlastung aber nicht wieder zusammen mit der Platte hoch.
  • Fragen Sie nach der Kompatibilität der verwendeten Bauprodukte.

Bei Lagesicherung durch Auflast:

  • Entsprechen die vor Ort gemessenen Schichtdicken der vier Windzonen auf dem Dach denen aus der Windlastberechnung?
  • Sind Maßnahmen erforderlich, um Verwehungen zu verhindern, weil das Gebäude sehr hoch ist oder in einer exponierten Lage steht?

 

Fazit Lagesicherung

Bereits in der Planung sollte über die Art der Lagesicherung entschieden werden. Der statische Nachweis über die Lagesicherung (Windlastberechnung) gehört mit zur Dokumentation, die dem Bauherrn übergeben werden muss und dient als Grundlage der Bauüberwachung. Es sollte auf die korrekte fachliche Ausführung geachtet werden, um das Investment für den Bauherrn zu schützen und ihn vor verhängnisvollen Haftungsfolgen zu bewahren. Sollte es infolge einer fehlerhaften Ausführung zu einem Sturmschaden kommen, besteht für den Bauherrn nicht nur die Gefahr, dass der Versicherungsschutz nicht greift. Wenn Personen zu Schaden kommen, liegt sogar ein Straftatbestand nach dem deutschen Strafgesetzbuch (StGB) vor, bei dem sich unweigerlich die Staatsanwaltschaft einschaltet.

Das Thema Lagesicherung ist ein wichtiger Aspekt jedes Bauprojektes, dem sowohl bei der Planung als auch bei der Bauüberwachung die entsprechende Aufmerksamkeit gewidmet werden muss.

 

Hier finden Sie unsere Online Berechnungsformulare. 

 


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