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Burkhard Saabel

Wissen

Tipps für den Ortstermin mit einem Sachverständigen

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold

Die neuen Medien machen es möglich – sie stellen Fachwissen für die breite Öffentlichkeit zur Verfügung – barrierefrei und rund um die Uhr. Während Kommentare zu den Fachregeln des Deutschen Dachdeckerhandwerks früher nur in gedruckter Form und in Fachkreisen vorlagen, kann sich heute jeder Bauherr auch ohne den nötigen Sachverstand diese und weitere Informationen aus dem Internet herunterladen und verinnerlichen. Das führt nicht selten zu gefährlichem Halbwissen und so ist der Streit am Bau oft vorprogrammiert.

Gestärkt durch das Selbststudium der Fachlektüre verlässt der Bauherr sich nicht mehr nur auf seinen Architekten, Dachdeckermeister oder auch den Sachverständigen – er bringt sich selbst wissend ein. Womöglich hat er auch in den Medien immer wieder wahrgenommen, dass die Bauschäden dramatisch zunehmen. Aber ist dies tatsächlich so oder stehen die Schäden durch die neue Medienvielfalt heute nur allgemein stärker im Fokus der Öffentlichkeit? Wenn es unterschiedliche Meinungen zur fachgerechten Ausführung zwischen den am Bau Beteiligten gibt, kann ein Ortstermin mit einem vereidigten Sachverständigen sinnvoll sein. Der Ortstermin muss nicht unbedingt einen gerichtlichen Ursprung haben, er kann eine Vorstufe sein, um unterschiedliche Sichtweisen zu erläutern und die Weichen für eine Einigung stellen. So muss der Dachdecker bei einem ersten Ortstermin auch nicht zwingend einen Rechtsbeistand hinzuziehen. Wenn man ein paar einfache Grundregeln beachtet, lässt sich ein Ortstermin jedoch gut überstehen und als das nutzen, wofür er geschaffen wurde – als Chance für eine gütliche Einigung.

Was Sie vor dem Ortstermin beachten sollten

  1. Seien Sie pünktlich sowie gedanklich und sachlich gut vorbereitet.
  2. Falls Sie eine Probeöffnung durchführen sollen, halten Sie entsprechendes Werkzeug und Material bereit. Machen Sie jedoch keine freiwilligen Probeöffnungen, um zu zeigen, wie sorgfältig Sie gearbeitet haben. Falls Sie genau an dieser Stelle etwas offenlegen, was bisher nicht im Fokus des Sachverständigen lag, ist eventuell ein weiterer Mangel relevant.
  3. Fragen Sie sich, welche Mitarbeiter die Baustelle abgewickelt haben und ob Sie sich eventuell noch auf Überraschungen gefasst machen müssen wie Bauschuttreste, Bierflaschen oder Zigarettenkippen in Bereichen, die nicht leicht einsehbar sind.
  4. Der Ortstermin ist immer Chefsache!
  5. Der Mitarbeiter, der eventuell am Ortstermin teilnimmt, muss ein loyaler Mitarbeiter sein, der sich in Ihrem Betrieb wohlfühlt und respektiert wird. Auf keinen Fall jemand, der eventuell noch eine Privatabrechnung mit Ihrer Firma vornehmen möchte und dem Gutachter Hinweise gibt, die nicht nötig gewesen wären. Dies stellt bei dem heutigen Fachkräftemangel eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar, da der eventuelle Verlust des Arbeitsplatzes nicht mit einem Beschäftigungsverlust verbunden sein muss. Die Erfahrung zeigt zwar, dass die Vorarbeiter und Gesellen bis auf ganz wenige Ausnahmen zu ihrer Firma stehen. Man muss sie jedoch häufig in ihrem Eifer bremsen, weil sie nicht ausreichend über die aktuellen Fachregeln informiert sind.
  6. Weisen Sie Ihre Mitarbeiter darauf hin, was im Umgang mit der Gegenseite zu beachten ist: Höflichkeit, Sauberkeit, Zurückhaltung. Abgestimmte Angaben zur Sache sind erforderlich und dienlich.

Was Sie während des Ortstermins beachten sollten

  1. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold – erzählen Sie nicht zu viel ungefragt.
  2. Lassen Sie sich nicht provozieren, wie z.B. durch
    • Ihre Arbeit wird schlecht gemacht
    • Sie werden als unzuverlässig dargestellt
    • Sie hätten auf freundliche Hinweise des Auftraggebers nicht reagiert
    • Sie seien nicht der billigste Verarbeiter gewesen, der Auftraggeber habe sich daher bewusst für Ihre Firma entschieden und jetzt „so etwas“
  3. Schalten Sie Ihr Handy aus – Ihnen könnten ansonsten wichtige Feststellungen und Hinweise während des Ortstermins entgehen.
  4. Notieren Sie sich alle Argumente der Gegenpartei, so können Sie nach dem Ortstermin in Ruhe überlegen, wie Sie darauf reagieren werden.

Was Sie nach dem Orstermin beachten sollten

  1. Reichen Sie die erforderlichen Unterlagen ein, bevor das Gutachten erstellt wird (Windlastberechnung, Entwässerungsberechnung, Verarbeitungshinweise der Hersteller der verwendeten Produkte), wenn der Sachverständige anzweifelt, dass diese Dinge erstellt wurden bzw. nach ihnen gearbeitet wurde.
  2. Seien Sie zu erträglichen Zugeständnissen bereit, um eine gerichtliche Auseinandersetzung zu vermeiden, denn eindeutige Sieger sind in Bau-Prozessen die absolute Ausnahme. Bau-Prozesse sind nicht nur lang und teuer, sie sind für die Beteiligten auch eine Belastung. Von ihnen profitieren häufig nur die Rechtsanwälte.
  3. Falls Sie sich für einen Rechtsanwalt zu Ihrer Unterstützung entscheiden, wählen Sie einen Anwalt, der sich auf Baurecht spezialisiert hat.

 


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8 Praxistipps für die fachgerechte Flachdachabdichtung

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Einbaubedingungen für Dachabdichtungen nach dem technischen Regelwerk

Die vordringliche Aufgabe von Dachabdichtungen besteht in der schnellen, gezielten und dauerhaften Ableitung von anfallendem Niederschlagswasser. Das technische Regelwerk formuliert dazu eine Reihe von Anforderungen. Neben der konstruktiven Ausbildung sind aber auch das Alterungsverhalten des Abdichtungsmaterials, ihr Zusammenwirken mit anderen Schichten des Dachaufbaus und die fachgerechte Ausführung des Gesamtwerkes von hoher Bedeutung.

Dachabdichtungen können sowohl nach DIN 18531 als auch nach der Fachregel für Abdichtungen (Flachdachrichtlinie) geplant und ausgeführt werden. Da beide Vorschriften teilweise unterschiedliche Anforderungen aufweisen, ist der Bezug auf die jeweilige Regel schon in der Ausschreibungsphase bzw. bei der Angebotserstellung von entscheidender Bedeutung, um spätere Mängelanzeigen schon im Vorfeld auszuschließen. Ebenso wichtig ist es, die Bedeutung der innerhalb des Regelwerkes enthaltenen Modalverben zu erkennen und anzuwenden.

Hierbei ist besonderes Augenmerk auf den kleinen, aber entscheidenden Unterschied zwischen den Modalverben „sollten“ und „sollen“ zu richten. Eine Gesamtübersicht ist in der Grundregel für Abdichtungen enthalten.

Nachfolgend werden acht wichtige Kriterien beschrieben, die für eine gezielte Ableitung des Niederschlagswassers verantwortlich sind. Dabei werden vorhandene Unterschiede des Regelwerkes berücksichtigt.

1. Dachneigung, Gefälle

Gemäß der Flachdachrichtlinie soll das geplante Gefälle mindestens 2 % betragen. Nur in begründeten Fällen, die beispielhaft aufgelistet werden, können auch gefällelose Flächen geplant und ausgeführt werden. Im Unterschied dazu sollte nach DIN 18531 lediglich ein Mindestgefälle von 2 % geplant werden. Gefällelose Dächer sind demnach möglich, wenn die Auswahl der Abdichtung die Anforderungen der Anwendungsklasse K2 erfüllt. Der Unterschied zwischen beiden Regelwerken liegt jedoch eindeutig im Gebrauch der Modalverben. Hinsichtlich der Pfützenfreiheit werden in beiden Regelwerken die gleichen Aussagen getroffen. Danach ist bei Dachflächen mit einer Neigung bis ungefähr 5 % Pfützenbildung unvermeidbar.

TIPP: Abweichungen vom geplanten Gefälle sind nicht immer vermeidbar und deshalb zulässig.

 

2. Dachentwässerung

Abläufe der Innenentwässerung sind an den tiefsten Stellen der zu entwässernden Teilflächen anzuordnen. Nach der Flachdachrichtlinie sollen Abläufe zusätzlich durch Kies-/Laubfangkörbe vor Verstopfungen geschützt werden. Traufbohlen sollen nach der Flachdachrichtlinie 10 mm niedriger als die vorhandene Dämmschicht sein.

TIPP: Eine regelmäßige Kontrolle bzw. Wartung der Ablauföffnungen ist unverzichtbar.

3. Ausbildung von Anschlüssen

Auch hierfür gelten einheitliche Vorgaben. Die Höhe der Abdichtung beträgt bei Dachneigungen bis 5° (ca. 9 %) mindestens 15 cm, bei Dachneigungen über 5° (ca. 9 %) mindestens 10 cm, jeweils über Oberkante Belag. An der Oberkante sind die Anschlüsse gegen hinterläufiges Spritzwasser und Schlagregen durch geeignete konstruktive Maßnahmen zu sichern.

TIPP: Auskragende Elemente und Anschluss-Schienen sind geeignete konstruktive Maßnahmen.

 

4. Ausbildung von Türanschlüssen

Die Anschlusshöhe über Oberkante Belag kann bis auf 5 cm verringert werden, wenn im Belag unmittelbar vor der gesamten Türbreite durch Einbau einer wannenbildenden Entwässerungsrinne oder einer vergleichbaren Konstruktion die Wasserbelastung minimiert wird. Eine solche Rinne muss unmittelbar an die Entwässerung angeschlossen werden. Es wird außerdem auf die Gefahr von Verformungen oder Verhärtungen der Kunststoffteile bei Verwendung von erhitztem Bitumen, einer offenen Flamme oder von Heißluft hingewiesen. Barrierefreie Übergänge mit einer weiteren Unterschreitung der Anschlusshöhe sind dagegen Sonderkonstruktionen und erfordern abdichtungstechnische Sonderlösungen.

TIPP: Sonderkonstruktionen müssen genau zwischen den Baubeteiligten abgestimmt werden.

 

5. Einbau der Dachabdichtung

Die fachgerechte Verlegung der Abdichtung in allen Bereichen ist von entscheidender Bedeutung. Das Regelwerk legt neben Parametern zur stofflichen Beschaffenheit der Abdichtungsmaterialien auch deren Einbaubedingungen fest. Hervorzuheben sind hierbei die materialspezifischen Methoden der Nahtfügung von Abdichtungsbahnen. Nur eine handwerklich korrekte Verlegung schafft neben den beschriebenen, vordergründig konstruktiven Einbaubedingungen die Voraussetzung für die Funktionssicherheit des Gesamtwerkes und damit auch für eine dauerhafte Abführung von auf die Dachfläche einwirkenden Niederschlägen.

Tipp: Für die Abdichtung von Detailausbildungen kann Flüssigkunststoff eine sinnvolle Ergänzung bilden.

 

6. Dachrandausbildung

Die Höhe der Abdichtung beträgt bei Dachneigungen bis 5° mindestens 10 cm, bei Dachneigungen über 5° mindestens 5 cm, jeweils über Oberkante Belag. Direkt in die Abdichtung eingeklebte Dachrandprofile sind ungeeignet. Demzufolge sind mehrteilige Profile zu verwenden.

Tipp: Ausreichende Dachrandhöhen verhindern Schäden an der Fassade.

 

7. Durchdringungen

Der Abstand von Durchdringungen untereinander und zu anderen Bauteilen sollte nach DIN 18531 bei bahnenförmigen Abdichtungsstoffen mit mindestens 30 cm geplant werden. Bei flüssig zu verarbeitenden Abdichtungsstoffen sollte dieser Abstand mindestens 10 cm betragen. Innerhalb der Flachdachrichtlinie wird dagegen das Modalverb sollen verwendet, womit die Empfehlung durch eine Anforderung ersetzt wird, von der nur in begründeten Fällen abgewichen werden kann. Zu geringe Abstände von Durchdringungen erschweren die fachgerechte und dauerhafte Herstellung ihrer Anschlüsse und führen nicht selten zu Undichtigkeiten innerhalb dieser Bereiche.

Tipp: Bauteile mit werkseitigen Manschetten und einfachen Einbaumöglichkeiten mindern das Risiko späterer Schäden erheblich.

 

8. Abrutschsicherung

Im Regelwerk wird auf zusätzliche Maßnahmen zur Verhinderung des Abgleitens aller Schichten des Dachaufbaus hingewiesen. Das betrifft Flächen mit einem Gefälle über 3°, insbesondere bei Verwendung von Abdichtungsbahnen oder/und deren Klebemassen mit eingeschränkter Wärmestandfestigkeit. Gleiches gilt für Teilflächen mit hoher Sonneneinstrahlung. In der Regel wird die Abrutschsicherung durch geeignete mechanische Befestigungen erreicht. Bei Nichtbeachtung solcher Maßnahmen wird nicht nur die Nutzungsdauer der Abdichtung eingeschränkt, sondern auch unnötige Pfützenbildung hinter abgerutschten Bahnen verursacht.

Tipp: Systemaufbauten stellen eine besonders geeignete Lösung zur Abrutschsicherung dar.

 

Die aufgeführten Kriterien stehen in enger Wechselwirkung zueinander. Das verdeutlicht die Komplexität der Problematik. Schon der Ausfall eines Gliedes innerhalb der Kette kann die Funktionalität des Gesamtwerkes infrage stellen und zu Schäden führen. Daher sind die fachgerechte Planung und Ausführung nach den Vorgaben des entsprechenden technischen Regelwerkes von entscheidender Bedeutung.

 


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