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Dezember 2020

Wissen

Brandschutz am Dach? Das sollten Sie beachten.

Maßnahmen zum Brandschutz tragen bei korrekter Planung und Umsetzung dazu bei Menschenleben zu retten, die Umwelt zu schonen und Investitionen zu schützen.

Da das Thema sehr komplex ist und viele Fragen aufwirft, widmet sich Torsten Stegner, Architektenberater für die Regionen Bayern/Baden-Württemberg und ausgebildeter Fachplaner für vorbeugenden Brandschutz in diesem Blog explizit dem Thema Brandschutz am Dach. Er erläutert die wichtigsten Begriffe, gibt Einblicke in die Gesetzeslage und zeigt Möglichkeiten auf, um das Brandrisiko am Dach zu minimieren.

Ziele der Brandschutzplanung

Als erstes stellt sich vielen die Frage, ist eine Brandschutzplanung zwingend notwendig und was ist eigentlich das Ziel?

  • Vorbeugung gegen Brandentstehung und der Ausbreitung von Feuer und Rauch
  • Im Falle eines Brandes, wirksame Löscharbeiten zu ermöglichen
  • Schutz der Gesundheit und des Lebens der Nutzer und Retter durch Ausbildung ausreichend geschützter Rettungswege
  • Schutz der Gebäudesubstanz, des Inventars und der Betriebsfähigkeit
  • Schutz der Umwelt vor giftigen Brand- bzw. Reaktionsgasen

Um diese Ziele zu erreichen, sind die folgenden Anforderungen und gesetzlich Vorgaben einzuhalten.

Normen und Gesetze

Welche Brandbeanspruchung unterscheiden wir

Es gibt unterschiedliche Brandbeanspruchungen. Es kommt darauf an, wo das Feuer anliegt oder wie sich die einzelnen Baustoffe bei einem Brand verhalten. Häufig kommt es bei einem Brand jedoch dazu, dass all diese Beanspruchungen gleichzeitig auftreten und somit zeitgleich relevant sind. Sie können also nicht isoliert betrachtet werden, sondern spielen im Brandfall alle eine Rolle.

 

Harte Bedachung auf dem Flachdach? Was ist das und wo kommt diese Forderung her?

Eine grundlegende Brandschutzforderung für Dächer ist bereits in der Musterbauordnung (und den jeweiligen Landesbauordnungen) verankert und beschreibt die Forderung nach Wiederstandfähigkeit gegen Flugfeuer und strahlender Wärme von Dachkonstruktionen. Dies wird auch als harte Bedachung bezeichnet.

Die harte Bedachung wird vom Hersteller von Abdichtungen für die einzelnen Aufbauten entweder nach DIN 4102-7 oder DIN EN 13501-5 nachgewiesen. Es gibt 2 Arten der Prüfung:

  1. Prüfung des Dachaufbaus bei 15° Dachneigung (Gültigkeit von 0° bis <20°)
  2. Prüfung des Dachaufbaus bei 45° DN (Gültigkeit ab 20° DN)

Nach bestandener Prüfung erhält man für den geprüften Dachaufbau ein abP (allgemein bauaufsichtliches Prüfzeugnis) mit Angabe der freigegeben Dachneigungen, welches als Nachweis der harten Bedachung dient.

Aber die Anforderung nach harter Bedachung gilt ebenfalls als erfüllt, wenn auf die Dachfläche eine 5 cm starke Kiesschicht (16/32), ein 4 cm starker Plattenbelag oder eine Begrünung mit mind. 3 cm starker Substratschichtdicke und einem organischen Anteil <20 Gewichtsprozent aufgebracht wird.

 

Baurecht ist Länderrecht!

Neben der allgemeinen Verpflichtung nach harter Bedachung kommen je nach Gebäudeart Anforderungen hinsichtlich der verwendbaren Materialien und Dachaufbauten hinzu. Je nach Gebäudenutzungsart ändern sich die einzuhaltenden Regelwerke und Vorschriften bzw. werden durch diese ergänzt.

Hier einige Beispiele:

Relevante Bauordnungen, Richtlinien und Normen

Gebäude- / Nutzungsart Regelwerke/ Vorschriften
Gebäude mit normaler Wohnnutzung Musterbauordnung (MBO)

Landesbauordnung (LBO)

Gebäude besonderer Art mit erhöhtem Risiko, jedoch mit eingegrenzter Nutzung Sonderverordnungen, z.B.

Verkaufsstättenverordnung (VkVO)

Garagenverordnung (GarVO)

Versammlungsstättenverordnung (VstättVO)

Gebäude besonderer Art mit erhöhtem Risiko, ohne einzugrenzende Nutzung Landesbauordnung (LBO)

Richtlinie über den baulichen Brandschutz im Industriebau (MIndBauRiLi)

Aber, da in Deutschland das Baurecht Länderrecht ist, ist es vor Beginn der Maßnahme wichtig zu prüfen, ob und in welchem Umfang die einzelnen Verordnungen im zuständigen Bundesland umgesetzt bzw. eingeführt wurden.

So wurde die Hochhausrichtlinie nicht in allen Bundesländern eingeführt und in z.B. Sachsen wir ein Hochhaus baurechtlich nach Landesbauordnung behandelt.

 

Brandwände auf dem Dach?

Neben den Regelungen zur allgemeinen Dachflächenausführung (harte Bedachung…) gibt es auf Dächern immer wieder gesonderte Anforderungen. Eine stellt ohne Zweifel die Ausbildung der Dachabdichtung an einer Brandwand dar. Hier kommt es je nach Tragschale auch auf die Dämmung an.

Es gibt 2 Arten von Brandwänden und entsprechende Anforderungen an die Dachabdichtung:

Brandwand über Dach

MBO Ind.Bau.Richtl.
Geforderte Höhe der Brandwand über der Dachfläche 30 cm 50 cm

bei Komplextrennwänden
70 cm empfohlen

Brand bis zum Dach

MBO Ind.Bau.Richtl.
Sondermaßnahmen bei Brandwand bis unter die Dachhaut  Schwer entflammbare Dämmung

5 cm Kiesauflast (16/32)

Altern. t3 Bahn

Breite je Seite 2,5 m

Schwer entflammbare Dämmung

5 cm Kiesauflast (16/32)

Altern. t3 Bahn

Breite je Seite 5 m

Breite Komplextrennwand 7 m

 

Wichtig dabei ist, dass die „Spielregeln“ bei Brandwänden im Gebäudeinneren und bei Brandwänden über Dach gleich sind. So dürfen Medien (Kabel, Rohre…) nicht ohne Einbau entsprechender Brandschotts durch oder über eine Brandwand hinweg geführt werden.

Die Brandwand dient dazu die Ausbreitung eines möglichen Brandes zu behindern und ein Vordringen der Feuerwehr bis zur Brandwand und somit bis zum Brandgeschehen zu ermöglichen. Dies ist wichtig, um bei großen Dachflächen einen Löschangriff durchführen zu können.

Ausblicke

In Bezug auf den Brandschutz wird immer häufiger auch bei nicht Industriegebäuden die Empfehlungen der DIN 18234 herangezogen. In dieser werden Anforderungen an die einzelnen Schichten der Dachabdichtung gestellt. So spielt die Dämmung eine wesentliche Rolle, wenn es darum geht, zum einen Zeit zur Evakuierung der Dachfläche und zum anderen Zeit bis zum Eintreffen der Feuerwehr zu gewinnen.

Verarbeitung

Auch die Qualität der Dachabdichtungsarbeiten selbst und die Auswahl der eingesetzten Materialien sind ein nicht zu unterschätzender Faktor in Bezug auf die Brandgefahr. So kommt es nicht selten durch mangelnde Sorgfalt zu folgeschweren Fehlern, wodurch Brände am Dach erst entstehen. Unsere Produkte RESITRIX® und HERTALAN® werden flammenlos verarbeitet und tragen somit nicht zur Gefahr einer Brandentstehung bei.

Brandschutz?! – ein komplexes Thema

Das Thema Brandschutz ist äußert komplex und ein wichtiger Bestandteil des Bauens. Deshalb soll dieser Blogbeitrag dazu dienen erste Einblicke in die Materie zu erlangen. Wir stehen Ihnen gerne sowohl während der Planung als auch bei der Bauausführung beratend zur Seite. Durch die flammenlose Verarbeitung unserer Produkte mit Heißluft tragen wir aktiv zum Brandschutz auf der Baustelle bei.

Weiterführende Informationen und Tipps zum Thema Brandschutz und weiteren interessanten Themen rund um das Flachdach und der Bauwerksabdichtung erhalten Sie über unsere Webinarangebote.  Diese finden Sie unter: https://www.ccm-europe.com/academy/webinare/

 


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